Nur kein Druck – Sabines Motorradkolumne

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Motorradkolumne - Eine Frage der Erfahrung
Sabines Motorradkolumne widmet sich heute der Herausforderung: Alles eine Frage der Erfahrung

Viele Neu-Motorradfahrerinnen setzen sich selbst unter Druck, weil sie mit ihrem Partner oder den Freunden in der Truppe mithalten wollen. Doch keine wird als Motorradfahrerin geboren. Deshalb habe ich mir in meiner heutigen Motorradkolumne einmal Gedanken dazu gemacht.

Selbstvertrauen kontra Druck

Eine gesunde Portion Selbstvertrauen gehört dazu, um das Motorradfahren richtig genießen zu können. Selbst erfahrenen Bikern kann ein Mangel an Selbstvertrauen die Freude am Fahren vermiesen. Vielleicht hast Du das ja selbst schon mal erlebt, wenn Du einen „gebrauchten“ Tag auf einer Tour erwischt hast.

Oftmals liegt der Grund für mangelndes Selbstvertrauen darin begründet, sich zu viel Druck zu machen und das Gefühl zu haben, sofort ein Experte sein zu müssen. Gerade Fahranfängerinnen setzen sich oftmals unter Druck. Warum kann ich noch keinen perfekten U-Turn machen? Warum kann ich nicht schneller in die Kurve fahren? Warum kann ich noch nicht souverän auf Schotter fahren? Die Antwort auf diese Frage ist einfach: Es liegt daran, dass Du noch nicht genug Erfahrung und Training hast. Und das ist völlig in Ordnung.

Alles eine Frage der Erfahrung

Denk mal daran, wie es war, als Du gelernt hast, zu laufen, Fahrrad zu fahren oder den Autoführerschein gemacht hast.

Ich kann mich gut erinnern, dass mein Fahrlehrer an mir verzweifelt ist, weil das Rückwärtsfahren und Einparken so gar nicht klappen wollte. Bei der Prüfung habe ich deshalb Blut und Wasser geschwitzt und war heilfroh, dass es geklappt hat. Nach ein paar Jahren hat mir selbst die kleinste Parklücke keine Schwierigkeiten mehr bereitet.
Weshalb? Ganz einfach – ich hatte meine Fähigkeiten ausgebaut und kannte natürlich mein Auto inzwischen sehr gut.

Auch beim Motorradfahren braucht es Zeit im Sattel und viel Übung, um besser zu werden. Dazu kommt, dass Du mit der Zeit immer mehr Vertrauen zu Deiner Maschine entwickelst.

Lerne in Deinem Tempo

Um mehr und mehr Selbstbewusstsein aufzubauen ist es essenziell, dass Du in Deinem eigenen Tempo lernst.

Jeder Mensch lernt anders und in einem anderen Tempo. Was die eine aus dem Ärmel schüttelt, dauert bei der anderen Wochen oder sogar Monate.

Hinzu kommt, dass Du mit zunehmendem Alter vorsichtiger wirst, weil Du mehr Gepäck an negativen Erfahrungen mit Dir herumträgst als ein junger Mensch.
Je früher Du mit dem Motorradfahren beginnst, umso leichter wird es Dir fallen. Kinder und Jugendliche haben meist weniger Angst und gehen unbedarfter an die Sache heran. Für sie überstrahlen Begeisterung und Freude alles andere und selbst ein kleiner Sturz kann sie nicht verunsichern.

Als Erwachsene mit einer gehörigen Portion Lebenserfahrung weißt Du was alles passieren kann. Aus diesem Grund gehst Du die Sache vorsichtiger an. Du zweifelst eher an Deinen eigenen Fähigkeiten und bist selbst Dein größter Kritiker.

Akzeptiere, dass Du vielleicht mehr Übung, mehr Zeit und mehr Kilometer brauchst, um ein gesundes Selbstvertrauen in Deine Fähigkeiten zu entwickeln.

Der Druck der Anderen

Was aber tun, wenn Partner oder Freunde Druck machen, weil Du ihnen zu vorsichtig fährst? Was, wenn Du in einer facebook Gruppe eine Frage stellst und sofort als „Mimimi-Queen“ dargestellt wirst?

Mein Tipp:

Suche Dir eine Gruppe, die akzeptiert, dass Du noch vorsichtiger unterwegs bist und darauf Rücksicht nimmt.
Verlasse facebook Gruppen, die ungehalten auf Fragen von Fahranfängerinnen reagieren. Und ja – ich habe das auch schon in reinen Frauengruppen erlebt.

Absolviere ein Fahrsicherheits- und/oder Kurventraining um im geschützten Raum Deine Fähigkeiten weiter auszubauen.

Du hast das Zeug dazu, eine gute Motorradfahrerin zu sein. Lass Dir von niemandem etwas anderes einreden! Genieße Dich, Dein Motorrad und den Wind, der um Deine Nase weht, wenn Du unterwegs bist.

Die Linke zum Gruß und bis in 14 Tagen zu meiner nächsten Motorradkolumne

Sabine


Sabine lebt in Prenzlauer Berg in Berlin. Zu ihrem 50. Geburtstag hat sie sich selbst den Motorradführerschein geschenkt und ist seitdem das ganze Jahr über auf zwei Rädern unterwegs. Sabine ist mit Life Coaching Berlin nicht nur lokal für ihre Kunden da, sondern führt auch online Coachingtermine durch. Gerne fährt sie auch mal mit ihrer Suzuki zu Terminen mit ihren Kunden. So kam sie auch auf die Idee, eine 14-tägliche Kolumne für SHE is a RIDER zu schreiben, in der Sabine die Erfahrungen aus ihren Coachings mit dem Motorradfahren verknüpft. Sabines Beiträge findest Du auf SHEisaRIDER.de unter Kolumne.

3 Kommentare

  1. Sabin, sehr gut zusammengefasst.
    Deshalb sind Frauen Motorrad Vereine (wie zB. WIMA) auch so wichtig.
    Dort wird die ganze Bandbreite an Fahrkönnen akzeptiert und niemand überfordert.
    und die Tips sind gratis 😉

  2. Habe den Link eben von Versya Wima Austria bekommen. Gefällt mir gut, was du schreibst…ich musste mich mit 18 als Motorradfahrerin selbst erfinden, in meiner Familie gabs nicht mal ein Auto, geschweige denn ein Moped. Ich hatte 40 Jahre Zeit zu üben und übe immer noch, und es macht nach wie vor unglaublich Freude, wenn ich auch an Grenzen komme. Weiter so !

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