Ein Abend bei Maisel & Friends in Bayreuth: Brauereibesichtigung, anschließend Biertasting und Abendessen im Liebesbier. So stand es auf der Einladung – und da ich gern esse und ein Bier dazu trinke, war das der Punkt auf der Tagesplanung mit dem ganz dicken Haken dran. Was dann folgte, war keine klassische Brauereiführung. Selbst „Brauereibesichtigung“ wäre viel zu kurz gegriffen. Denn Maisel and Friends ist nicht einfach eine Brauerei. Brauerei, Brauereimuseum, Eventlocation, Meetingräume, Eventcooking und vieles mehr, rund ums Thema Brauerei und Bier. Es ist ein ganzes Universum rund um Genuss, Handwerk, Kreativität – und ziemlich klare Haltung.

Brauerei in dritter Generation – und trotzdem alles andere als altmodisch
Eine Familienbrauerei in dritter Generation. Da könnte man stehen bleiben. Muss man aber nicht.
Jeff Maisel hat genau das Gegenteil gemacht. Statt sich auf Tradition auszuruhen, dachte er: Da muss man doch was Geiles draus machen. Also flog er mit seinem Kulinarik-Spezl für sechs Monate um die Welt, sammelte Eindrücke, Geschmäcker, Ideen – und brachte all das zurück nach Bayreuth. Das Ergebnis: Bier als Erlebnis. Bier als Lifestyle. Bier als Kulturprodukt.

Liebesbier Urban Art Hotel
Direkt auf dem Gelände: das Urban Art Hotel. Kein Themenhotel, kein Deko-Konzept von der Stange. Stattdessen wurde eine Kuratorin engagiert, die gezielt Künstler auswählte. Die kamen nach Bayreuth, blieben vor Ort und gestalteten die Wände. Jedes Zimmer ein Unikat.

70 Zimmer. 70 Künstler. Keine Wiederholung!
Das Farb- und Materialkonzept greift dabei bewusst die Brautradition auf: Leder – eine Referenz an die alten Brauerschürzen. Holz – wegen der Fässer. Industrie trifft Kunst, ohne verkopft zu wirken. Urban, warm, überraschend.

Barrel Aged – wenn Bier plötzlich Tiefe bekommt
Und dann das Thema, bei dem selbst Bier-Skeptiker kurz still werden: Barrel Aged. Wenn dir Bier allein zu langweilig ist – lager es einfach in alten Whiskyfässern.
Seit 2016 experimentieren die Brauer bei Maisel & Friends mit Fassreifung. Vorbelegte Fässer – Whisky, Rotwein, Sherry, Likör – werden mit hauseigenem Bier befüllt. Dann passiert erstmal: nichts. Geduld. Zeit. Bis zu zwölf Monate. Erst danach wird karbonisiert (also mit Kohlensäure versetzt) und abgefüllt. Das Ergebnis? Komplex, tief, überraschend. Und – wenig überraschend – ratzfatz ausverkauft.

Liebesbier Collab-Time: Wenn weg, dann weg
Ein weiteres Highlight: die Collab-Biere. Freunde, befreundete Brauereien, kreative Köpfe – alle dürfen mitmischen. Heraus kommen eigenwillige, mutige Biere. Immer limitiert. Immer einmalig. 20 Hektoliter. Abgefüllt. Verkauft. Ende. Keine Nachbestellung. Genau das macht sie so begehrt.

Biertasting & IPA – kleine Geschichtsstunde mit Augenzwinkern
Beim Tasting geht es nicht nur ums Trinken, sondern ums Verstehen. Zum Beispiel beim IPA (Indian Pale Ale). Warum „Indian“? Warum so stark? Und vor allem: Wo ist der Hinweis geblieben, das Bier bitte wieder zu verdünnen?
Die Geschichte dahinter: England, Kolonialzeit, langer Seeweg nach Indien. Alkohol ging in der langen Zeit des Transports verloren, also braute man stärker – rund 9 % Alkohol ins Bier. Damit das unter indischer Sonne nicht direkt eskaliert, lag ein Zettel bei: Vor Genuss verdünnen.
Der Zettel ist offenbar verloren gegangen. Der Rest ist Craft-Beer-Geschichte.

Essen im Liebesbier – und warum Vegan hier kein Feigenblatt ist
Der Chef ist Veganer. Und das merkt man. Nicht als Mission, sondern als Selbstverständnis. In der Betriebskantine gibt es täglich ein richtig gutes veganes Gericht – und nein, Kohlrabischnitzel sucht man hier vergeblich. Und im Liebesbier selbst? Der leckerste vegane Burger, den Lou je gegessen hat. Punkt.

Dazu: ehrliche Küche, starke Kombinationen zum Bier, kein Schnickschnack aber alles lecker, also sehr lecker. Auch oder erst recht die Desserts. Das müsst ihr bei eurer Abendessenplanung unbedingt berücksichtigen! Und für alle, die Fleisch lieben, gibt es das Fleisch-Paradies in Gestalt eines Dry-Agers, der dekorativ im Gastraum platziert wurde, gleich mit dazu. Somit wird das Liebesbier zum Beef-Tempel von Bayreuth.

Ein Satz, der hängen bleibt
Tim Mälzer brachte es bei einem Besuch auf den Punkt: „Wisst ihr, was das Einzige ist, das ich an eurem Laden richtig scheiße finde? Dass er nicht mir gehört.“ Dem ist wenig hinzuzufügen.
Für den Kaffee danach
Wenn du dann doch ein wenig länger im Liebesbier einen Absacker genossen hast, auch hier hilft dir Maisel und Friends gern weiter: Damit du am nächsten Morgen wieder frisch und fit weiterfahren kannst gibt es im Crazy Sheep noch einen ungewöhlichen und aufregenden Kaffee zum wachwerden. Die haben wirklich an alles gedacht. Und das beste ist, wenn du nicht mehr ohne kannst, kannst du dir deinen Kaffee einfach nachbestellen.

Foto: Michael Bauer
Maisel & Friends und das Liebesbier – Mein Fazit
Maisel and Friends ist kein Ort, an dem man „mal schnell ein Bier trinkt“. Es ist ein Platz, an dem man bleibt. Probiert. Lernt. Genießt. Und merkt, dass Tradition dann am besten funktioniert, wenn man sie ernst nimmt – aber nicht verkrampft daran festhält.
Für einen Roadtrip durchs Fichtelgebirge ist Bayreuth und das Liebesbier damit nicht nur ein Stopp, sondern ein echtes Highlight zwischen Kurven, Kultur und Charakter.
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Disclaimer: Mit freundlicher Unterstützung von Tourismusverband Fichtelgebirge

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