Julia – Ich strahle heute noch beim Aufsteigen

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Julia auf einer Triumph Tiger 800. Bild: MOTORRAUSCH, Chris Rausch.

Dein Name: Julia
Wie alt bist Du? 42
Was ist Dein Job? SAP-Consultant
Seit wann fährst Du Motorrad? Den Führerschein habe ich seit 1993, wirklich selber fahren seit 2002

Wie und warum bist Du zum Motorradfahren gekommen?

Ich durfte von meinen Eltern aus nie ein motorisiertes Zweirad fahren, weder Mofa, noch Roller, noch sonst was. Da war zum 18. Geburtstag klar: Jetzt erst recht!
Von 2000 bis 2002 bin ich dann als Sozia wieder zum Motorradfahrern gekommen und da hat mich die Touren- und Reiseleidenschaft gepackt.

Welches Motorrad fährst Du?

Eine Suzuki V-Strom 650 DL von 2009 – meine schwarze Schönheit!

She is a rider Julia mit ihrer Suzuki 650
So strahlt man wenn Motorradfahren Spaß macht … sehr viel Spaß! Bild: Jörgen Klein.

Warum hast Du diese Maschine gewählt?

Ich hatte 2013 die Lust am Motorradfahren irgendwie verloren. Meine rote Honda NTV hatte es in dem Jahr bis September auf 150 km gebracht und es hat mich nicht einmal gestört. Es war die Luft raus. Mehr oder weniger lustlos habe ich dann im Internet gesurft und meine schwarze Schönheit 500 km entfernt von mir entdeckt. Da war es um mich geschehen! Habe zwar noch eine Probefahrt gemacht, aber ich strahle heute noch beim Aufsteigen so wie damals in Reutlingen in der Garage des Vorbesitzers!

Was bedeutet Dir Motorradfahren heute?

Freiheit – Mit dem Auto fahre ich von A nach B und das Ziel ist der Reisegrund. Beim Motorrad ist der Weg schon das Ziel. Sieht es rechts auch schön aus, dann fahre ich halt da lang! Sonst eben woanders, und wenn es in einem Café besonders schön ist, dann bleibe ich da auch mal länger sitzen.
Neugier – Ich entdecke die nahe Umgebung, ich entdecke Deutschland, ich entdecke Europa! Ich glaube, mit dem Auto hätte ich selbst Deutschland nicht so intensiv bereist.
Freundschaft – Ich habe unglaublich nette, tolle und interessante Menschen durchs Motorradfahren kennengelernt. Nirgendwo sonst habe ich erlebt, dass Alter, Herkunft, Status so egal sind.

Was bewunderst Du an anderen?

Bewundern? Während für mich die baltischen Staaten schon ein Abenteuer sind, bewundere ich alle, die sich in ferne Länder aufmachen. Aber auch ohne Motorrad war ich noch nie ein Fernreisender, daher ist die Durchquerung der Mongolei oder eine Offroad-Tour durch Peru noch nicht so weit oben auf meiner Wunschliste! 😉

Ich bewundere gute und souveräne Motorradfahrer. Damit sind nicht die Raser oder so gemeint, sondern die, die ihr Motorrad einfach gut beherrschen, sei es auf der Straße, offroad, im Wettkampf, beim Trial oder einfach im kleinen ihr Bike beherrschen.

Was war Deine größte Herausforderung bisher?

Auf das Motorradfahren bezogen? Ich glaube, das war eine Straße in Polen auf unserer Baltikumsreise. Am Tag nach einem großen Unwetter sind wir auf eine kleine Verbindungsstraße abgebogen, die sich als schlammig-sandiger Feldweg herausstellt, auf dem in der Mitte ein schmaler Grat zum Fahren blieb und die ausgewaschenen Auto-Fahrspuren für meine Füße definitiv zum Anhalten zu weit weg gewesen wären. Vollbeladen, Straßenbereifung und dann über Stock und Stein – ich war froh, dies ohne Sturz gemeistert zu haben.

SHE is a RIDER-Julia-Suzuki-V-Strom
Julia macht Ihre schwarze Schönheit selbst wieder fit für die Saison. Dabei hat uns Julia glaubhaft versichert, dass auch die V-Strom ausreichend Öl abbekommen hat.

Wie hast Du Sie gemeistert und wie hat das Dein weiteres (Biker)Leben beeinflusst?

Ich war nicht alleine, das war für mich schon mal sehr beruhigend. Mir ist da wieder bewusst geworden, wie riskant es manchmal sein kann, alleine unterwegs zu sein. Wir sind nicht gestürzt, aber eine alleine hätte an der vollbepackten Maschine schon lange gebraucht, um diese wieder hinzustellen. Von Blessuren mal ganz abgesehen.

Ich versuche tatsächlich umsichtiger zu fahren, wenn ich alleine unterwegs bin. Das schützt nicht immer, aber ich rede es mir ein.

Gab es schon Mal eine brenzlige Situation?

Auch wenn es sich doof anhört – Motorradfahrern ist und bleibt ein gefährliches Hobby. Ja, es gab brenzlige Situationen.

Was war es und wie hast Du reagiert?

Einmal ist eine Freundin von mir auf glatter Straße (vom Reifenabrieb, bei einsetzendem Nieselregen) gestürzt. Auch wenn sie nichts dazu konnte, habe ich lange daran geknabbert, weil ich verstanden habe, dass man nicht jede Situation vorhersehen und damit vermeiden kann. Ab da war ich lange Zeit bei Regen extrem angespannt, wobei dies die höfliche Formulierung von „verkrampft“ ist.

Aber auch mir wurde schon mal die Vorfahrt genommen, was aber Gottseidank glimpflich ausgegangen ist, weil ich es habe kommen sehen und rechts hinter das Auto ausweichen konnte. Ich habe aber auch selber schon mal fast einen Motorradfahrer übersehen und schaue daher immer lieber noch zwei Mal mehr nach links und rechts und ziehe gerade an Stop-Straßen nicht doch „mal eben“ noch schnell durch.

Ich starte aber seit Jahren auch mit einem Sicherheitstraining in die Saison und schüttele den Kopf über andere, die dies nicht machen mit dem Argument, vor Jahren schon eines gemacht zu haben.
Mir bringen diese Trainings viel und haben mir sicherlich in der einen oder anderen Situation geholfen, weil ich hier Handlungsalternativen hatte. Vollbremsung mit ABS auf Sand? Ich weiß jetzt, wie das geht! Ast in der Kurve? Ich weiß jetzt, dass man bis zu einer bestimmten Größe einfach drüber fahren kann. Von diesen Beispielen gibt es jede Menge!

She is a rider Julia strahlt über das ganze Gesicht
Und das macht Motorradfahren mit Julia: Es lässt sie strahlen! Bild: MOTORRAUSCH, Chris Rausch.

Was war Dein schönstes Erlebnis?

Oh, da gibt es so viele. Die schönsten (weil aber auch die aktuellste) Erinnerungen habe ich an meine Baltikumsreise in 2017, weil es für mich ein großes Abenteuer war, die erste lange Reise mit meiner liebsten Motorradbegleitung ohne „den Schutz“ der Gruppe. Wir hatten zwar Pech mit dem Wetter, aber am Peipussee zu stehen, in Helsinki am Hafen zu sitzen oder im strömenden Regen vor der Burg Traika zu posieren, das waren alles tolle Erlebnisse. Aber auch die französischen und spanischen Alpen haben es mir sehr angetan.

Da erinnere ich mich noch an die Fahrt nach Südfrankreich, bei der man riechen konnte, wo man war oder was einen um die nächste Ecke erwartet. Wir sind in kühlem Klima in einen Tunnel gefahren und kommen auf der anderen Seite im warmen Kiefernduft an. Oder der fast stechende Geruch nach Lavendel, wenn vor einem ein Traktor vollbeladen nach der Ernte tuckert. Diese Eindrücke werde ich ewig in mir tragen!

Wo oder welche Strecke würdest Du gern einmal fahren?
Warum reizt Dich das?

Die Transfagarsan in Rumänien.
Weil ich meine Motorradbegleitung noch in 2017 für verrückt erklärt habe, als sie mit Rumänien um die Ecke kam. Jetzt denke ich, dass es ein tolles Ziel für uns beide ist! Jetzt steht in diesem Jahr aber erst mal eine Reise entlang der ehemaligen und der aktuellen deutschen Grenze (zu Polen / Tschechien) an. Im Herbst dann eine schöne Reise nach Sardinien und dann kommt die Planung 2018!

Was würdest Du Dir selbst raten, wenn Du heute mit dem Motorradfahren beginnen würdest?
Drei Tipps aus Deiner persönlichen Erfahrung?

  • Ich würde auf das hören, was mein Herz mir sagt! Ich habe Lust zu fahren? Dann lege ich einfach los! Ich habe Angst? Dann lasse ich mich auch nicht überreden! Habt Spaß, das ist das wichtigste dabei! Und wenn es euch keinen Spaß macht, dann lasst euch auch nicht überreden!
  • Kauft euch ein Motorrad, das zu euch passt. Es gibt nichts schlimmeres, den Spaß am Motorradfahren zu verlieren oder nie zu bekommen, weil einem ein Motorrad aus dem Freundeskreis aufgeschwatzt worden ist. Was nützt euch eine GS1200, wenn ihr euch unsicher fühlt wegen der Sitzhöhe? Was nützt ein buntes Rennmotorrad, wenn Du schon seit Jahren für einen Chopper schwärmst. Aber wie gesagt, fahrt es Probe und fragt euch ernsthaft, ob es zu euch „passt“, nicht ob es euch (oder anderen) optisch gefällt.
  • Ehrlich zu sich sein und niemandem etwas beweisen müssen. Ich fahre meiner Meinung nach recht sicher und zügig Motorrad. Aber auch ich gehe bei manchen Ausfahrten bewusst in eine langsame Gruppe, einfach, weil ich mich danach fühle. Vielleicht bin ich müde, unkonzentriert, möchte mehr Landschaft sehen oder auch einfach weil ich glaube, in der Gruppe an diesem Tag mehr Spaß zu haben. Lasst euch nicht hetzen und überfordert euch selber nicht. Routine kommt vom Fahren. Und viel Fahren macht man nur, wenn man Spaß daran hat.

Warum sollte Frau Motorradfahren?

Gegenfrage: Warum nicht?

Julia schreibt über’s Motorradfahren auf ihrem Blog Mädchenmotorrad.

 

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