Frauenpower Down Under – Vier Frauen bei der GS Trophy 2020

BMW Motorrad International GS Trophy 2020 in Neuseeland

Lange Tage bei der BMW GS Trophy 2020 in Neuseeland
Die Sonne brennt und im Team wird das Motorrad über den Strand gebuckelt.

In Neuseeland Motorrad zu fahren – was für ein tolles Erlebnis. Wenn mir jemand vor ein paar Jahren gesagt hätte, dass mich ein Abenteuer auf zwei Rädern einmal bis ans andere Ende der Welt führen würde, hätte ich das wohl niemals für möglich gehalten. Aber im Februar 2020 durfte ich das “International Female Team #1” bei der BMW GS Trophy 2020 begleiten.

Mein Team hatte sich bereits 2019 bei den Female Qualifiern in Spanien gefunden. Mit dabei waren:

Internationales Frauenteam 1 aus Kolumbien, Holland und Frankreich
  • Isabela Londono Rivas, 26 Jahre alt, aus Manizales/Kolumbien, Architektin
  • Nikki van der Spek, 31 Jahre, aus Hoek van Holland/Niederlande, Motorradfahrlehrerin
  • Claire Bichard, 32 Jahre, aus L‘Isle Adam/Frankreich, Büroleiterin

Gemeinsam bildeten wir ein Team aus vier Motorrad-Fahrerinnen. Vier Mädels quer durch Neuseeland – das Abeneuer war vorprogrammiert. Hier gibt’s für euch meinen persönlichen Einblick hinter die Kulissen der BMW GS Trophy 2020.

Die BMW-GS-Trophy-Familie
Auch bei der GS Trophy 2020 gilt: Selfie-First.

… das hat mich auf der GS Trophy 2020 am meisten fasziniert.

Ganz klar – die Gemeinsamkeit, der Zusammenhalt , die Familie. Durch den Sport habe ich schon ganz viele verschiedene Gruppen von Menschen kennengelernt. Vom Reitsport, über Tennis, Triathlon, Mountainbike, Schwimmen oder eben den Motorradsport. Und beim Enduro fahren bin ich am Ende hängen geblieben. Nicht nur weil ich die Sportart einfach genial finde, sondern unter anderem auch, weil ich die Menschen die diesen Sport, dieses Hobby verbindet so mag. Das Enduro-Fahrerlager könnte man auch als eine große Familie bezeichnen. Bei der GS Trophy habe ich dieses familiäre Gefühl noch einmal auf einem ganz anderen Level erlebt. Menschen aus der ganzen Welt, aus verschiedensten Kulturen und Ländern teilen für zwei Wochen das gleiche Zuhause. Die wenigsten hatten sich vor diesem Abenteuer schon mal gesehen und dennoch war es von der ersten Minute an so, als würde man sich schon ewig kennen und gemeinsam mit einem Motorrad durch die Welt reisen. Wenn ich jetzt im Nachhinein (einige Wochen danach) darüber nachdenke, fasziniert mich das noch immer.

… das war der beste Tag bei der GS Trophy 2020

Ganz eindeutig Tag sechs. Wir bekamen immer am Vorabend die Info, wie viele Kilometer wir zurücklegen würden und Stage sechs war laut Papier der absolut längster Abschnitt – 440Km!
Jeden Tag wurden die Gruppen neu ausgewählt. Es fuhren immer zwei Teams in einer Gruppe. So hatte man nie die gleichen Begleiter und konnte die viele Teilnehmer besser kennenlernen. An diesem Tag fuhren die beiden Damen-Teams in einer Gruppe.

Frau wächst mit den Herausforderungen

Um ganz offen zu sein, wir waren uns nicht sicher ob wir überhaupt ins Ziel kommen würden. Denn noch mal 100Km mehr als bei den Etappen davor, die schon sehr anstrengend und lang waren, wie sollte das nur gehen? Und dann sollte dieser Tag auch noch einer der technisch anspruchsvollsten Tracks werden. Wir hatten also einen Mega-Bammel. Warum wurde es aber dann doch der beste Tag? Tja, wir Mädels haben diese Etappe gerockt!

Start zur BMW GS Trophy um 0700Uhr
Der frühe Vogel fängt den Wurm und die Frühstarter von den Frauenteams rocken die Etappe..

Wir durften als Erstes um 7.00 Uhr morgens starten. Die Startreihenfolge ist Zufall und jeden Tag neu. Die Gruppen starteten dannimmer in Fünf-Minuten-Abständen
Im Vorfeld spürten wir bereits, dass viele der anderen Teams davon überzeugt waren, uns irgendwann im Laufe des Tages einzuholen. Die meisten Gruppen sind in den Tagen zuvor einfach eine höhere Durchschnittsgeschwindigkeit gefahren. Soweit die Theorie – deren Theorie.


Die Zusammenfassung von Tag 6 findet ihr auch hier bei SHE is a RIDER TV


Wir Mädels gaben von der ersten Minute weg wirklich unser Bestes. Wir machten wenig, bis gar keine Pausen, versuchten so zügig wie möglich, also ohne Stürze oder Trödelein, zu fahren und unterstützten einander bei den schwierigen Stellen. Die Flussdurchfahrten oder die steilen Uphills auf lockerem steinigen Untergrund, waren eh nur im Team zu bezwingen.
An dem Tag waren wir nicht einfach nur ein Team, wir waren das beste Team! Dieser Zusammenhalt führte uns als Erste in das Ziel von Tag sechs!
Den Blick vom BMW Team, als sie uns gesehen hatten, werde ich nicht vergessen – die kamen aus dem Staunen nicht mehr raus. Ich bin mir sicher, dass einige zwei mal hingeschaut haben, nur um sicher zu sein, dass wir das da auf der Ziellinie waren.
Es ist ja eigentlich kein Rennen, aber dennoch fühlte sich dieser Tag wie ein Sieg an. Wir hatten es den Männern so richtig gezeigt und ihren sicheren Erwartungen, sowieso schneller als die Damen zu sein, einen gewaltigen Strich durch die Rechnung gemacht. Es war wirklich der beste Tag bei der GS Trophy!

BMW GS Trophy Damenteam Pause
Auf der GS Trophy sind selbst die Pausen voller Glamour.

…das war die größte Herausforderung

Sich die Energie einzuteilen. Es sind einfach acht lange, wirklich sehr lange Tage. Ich hatte schon Erfahrung mit mehrtägigen Rennen und war schon unter Wettkampfbedingungen für zwei Tage, vier Tage und fünf Tage unterwegs – aber acht Tage? Das ist noch mal eine ganz andere Nummer. Vor allem, wenn einfach jeder Tag so lang ist. Kein Ruhetag oder mal eine kürzere Etappe. 2.500 lange Abenteuerkilometer durch Neuseeland. Unser Team hat sich die Energie aber super gut eingeteilt und klug gemanaged. Jeden Tag hatten wir beim Fahren das weise Einteilen der Kraftreserven im Hinterkopf. Somit sind wir kein unnötiges Risiko eingegangen, die zu eventuellen Stürzen hätten führen können. Durch die Vermeidung von Hinfallern haben wir maximal Kraft gespart. Auch Abends sind wir immer sofort nach dem Abendessen ins Bett bzw. Schlafsack gegangen, auch wenn alle anderen schon mal in Feierlaune waren. Dieses Kräftemanagement haben wir diszipliniert bis zum Schluss erfolgreich durchgezogen.

Sonnenuntergang mit BMW F850GS in Neuseeland
Lange Tage in Neuseeland. Mopeds schlafen, Team schläft.

… das war der schönste Platz in der Landschaft

Neuseeland ist so vielfältig, es gibt unzählige wunderschöne Plätze und es ist ganz schwer nur einen herauszusuchen, der mir am besten gefallen hat. Jeder Tag war anders aber auch besonders. Den einen Tag fuhren wir durch Spanien, den anderen durch die Österreichischen Alpen. Einmal durch Afrika und dann wieder an den Klippen Irlands entlang. So hat sich diese Vielfalt angefühlt. Aber wenn ich einen einzigen Platz wählen müsste, dann wäre es der Lake Pukaki mit dem Mount Cook im Hintergrund – ein unfassbar schöner Platz. Die blau-türkise Farbe des Sees ist beinahe unreal und das Berg-See Panorama einfach wunderbar. Daran könnte ich mich mein Leben land nicht satt sehen. Wenn ich nur noch eine Stunde zu leben hätte – dann würde ich sie genau dort verbringen wollen. So schön ist es dort.

Neuseeland See im Sonnenuntergang
Neuseeland, ein See und ein Sonnenuntergang. Ein Moment zum Sammeln.

… das war der beste Track

Genauso vielfältig wie die Landschaft, waren auch die Etappen zu fahren. Etwa 60 % der Strecke waren off-road, die restlichen 40 % ähneln, obwohl asphaltiert, den europäischen Alpenstraßen. Es gibt zwei Abschnitte, an die ich mich am liebsten zurück erinnere.

Motorradfahren am Strand in Neuseeland
Motorradfahren am Strand. Nur einer von vielen schönen Tracks in Neuseeland.

Das eine ist das Fahren direkt am Strand. Ich bin zwar zuvor schon mal am Strand mit einem Motocross Bike unterwegs gewesen, konnte es aber damals nicht richtig genießen, weil es so verdammt anstrengend war. Dieser tiefe Sand raubt einem schon nach der ersten Kurve die Kräfte und das Bike aus dem Sand aufheben ist einfach richtig anstrengend.
Dieses Mal war das ganz anders und besser, denn der Sand war nicht immer tief sondern teilweise auch sehr griffig und fest. So nahe am Meer, die frische Luft inhalieren und in einer Reihe mit den Mädels den Strand entlang fetzen – eine Lieblingserinnerung. Ich glaube da fühlten wir uns alle kurz unsterblich.

Flussdurchfahrt mit der BMW F850GS in Neuseeland
Nur einer von 27 Flüssen, die es am letzten Tag zu durchfahren galt.

Der zweite Abschnitt war ein Tal am letzten Tag. Dort sind wir durch unglaubliche 27 Flüsse gefahren. Und diese Durchfahrten hatten es in sich. Ein richtiger Nervenkitzel! Es brauchte viel Können und etwas Glück, um keine nassen Füße zu bekommen. Mein Tipp an dieser Stelle: lieber zu viel als zu wenig Gas und nicht zu viel mit der Kupplung spielen. Denn Stillstand bedeutet nasse Füße bis zum Bauch.
In diesem Tal hatten wir sehr viel Spaß. Und das nicht nur wegen des Fahrens sondern auch “auf Grund” des ein oder andern tollpatschigen Sturzes.


Die Zusammenfassung von Tag 8 findet ihr auch hier bei SHE is a RIDER TV


Acht unglaubliche, abenteuerliche Fahrtage gingen viel zu schnell zu Ende. Die beiden Inseln Neuseelands hatten, von den Meeresstränden bis hin zum Mt. Cook, die vielfältigsten Naturwunder zu bieten, die wir je gesehen und bestaunt haben.

Beid er GS Trophy musste nicht nur gefahren werden sondern es gab auch handfeste Aufgaben wie Reifenwechsel an der BMW F850GS.

Wir mussten uns in unterschiedlichstem Gelände bewähren und definierten den Begriff Team komplett neu, denn bei der GS Trophy ist man eine Familie und ich habe Freundschaften fürs Leben geschlossen. Der Aufenthalt in diesem fernen Land war ein intensives, einzigartiges Erlebnis, das sich schwer toppen lässt.

BMW-GS-Trophy-2020-Damenteam
Die vier Damen vom IFT-1: Larissa, Isabela, Nikki und Claire.
Das Internationale Female Team 1 hat’s geschafft.

Die GS Trophy 2020 in Neuseeland bekommt einen Ehrenplatz unter all meinen gesammelten Momenten!


Larissa kommt aus Österreich, ist 27 Jahre alt und lebt nach dem Motto “collecting moments”. Am liebsten sammelt sie diese Momente draußen in der Natur und auf zwei Rädern. 2014 startete Larissa ihre ersten Versuche auf der Enduro und konnte in vier erfolgreichen Rennsaisons unter anderem die European Cross Country Meisterschaft 2016 für sich entscheiden und finishte 2017 die Red Bull Romaniacs.
Durch ihr Hobby kam sie auch beruflich in den Motorradbereich. Larissa ist hauptberuflich Marketing Managerin und kümmert sich unter anderen um die WESS Enduro Weltmeisterschaft und den Motorradbekleidungs-Hersteller KLIM-Technical Riding Gear.

Teilen Sie diesen Post:

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*