Eigentlich war mein Besuch beim Reload.Land Festival in Berlin eher eine spontane Entscheidung. Dass das Event als offizieller Gast im Rahmen der Formula E World Championship stattfand, machte die Sache für mich zunächst nicht unbedingt attraktiver. Vier Räder interessieren mich einfach deutlich weniger als Motorräder. Und ja – ich bin bekennende „Benzin im Blut&Tank“- Fahrerin. Genau deshalb wollte ich aber hin. Nicht ausschließlich, um mich von E-Mobilität überzeugen zu lassen, sondern um mir selbst ein ehrliches Bild davon zu machen, was da eigentlich gerade in der Motorradwelt passiert.

Bild: Patricia Sevilla Ciordia for Reload Land
Reload.Land auf dem Tempelhofer Feld – Electric Motorcycle Culture mitten in Berlin
Reload.Land war 2026 erstmals Teil des offiziellen Formula-E-Fan-Villages auf dem Tempelhofer Feld in Berlin. Quasi ein Festival im Festival. Zwischen Rennstrecke, Motorsport, Technik und urbaner Festivalatmosphäre entstand eine eigene kleine Welt rund um elektrische Motorräder, Design, Community und Zukunftskultur.
Vor Ort waren unter anderem und neben dem großartigen Team von Reload.land selbst: Zero Motorcycles, Can-Am, Maeving, Honda, LiveWire, Verge Motorcycles, NIU Technologies, Black Tea Motorbikes, Second Ride, Stark Future und viele weitere Hersteller, Startups und Custom-Builder. Und genau diese Mischung machte das Wochenende spannend.

SilentRide Chaos – und warum spontane Begegnungen manchmal die besten Geschichten schreiben
Mit Michael, unserem Kontaktmenschen vor Ort, lief zunächst alles völlig entspannt, dickes Merci an der Stelle. Bis ich gegen 17 Uhr zum SilentRide wollte und plötzlich feststellte, dass meine Presseakkreditierung nicht funktionierte. Doof gelaufen. Ein schnelles Einchecken war nicht mehr drin, während sich die ersten Bikes bereits sammelten. Also stellte ich mich kurzerhand strategisch günstig an die Paradestraße, um wenigstens die Abfahrt filmen zu können. Als ich dann doch noch einen Seiteneingang aufs Tempelhofer Feld fand, stand ich plötzlich mitten zwischen den SilentRidern. Kamera gezückt. Dauergrinsen im Gesicht. Voll ausgestattet in Motorradklamotte. Diese lange Reihe an Electric Bikes, die sich nahezu lautlos in der Kolone bewegte, hatte etwas völlig Eigenes. Kein aggressives Röhren und auch kein Motorengebrüll, dafür unglaublich präsent!
Da sprach mich ein grinsender Fahrer auf seiner Zero fragte:
„Du läufst?“
Meine Antwort:
„Ich bin mit nem Krachmacher hier.“
Er, Joachim, lachte nur und lud mich spontan zum Mitfahren ein.
Und ehrlich? Das war eines der Highlights des gesamten Wochenendes.
Lautlos durch Berlin – der SilentRide war magisch
Was mich dann erwartete, war wirklich legendär. Ich habe keine Ahnung, wie viele Electric Bikes am Ende tatsächlich dabei waren, aber dieser Ride hatte eine ganz besondere Energie. Die Route führte über den Mehringdamm Richtung Schöneberg, weiter über den Kudamm, zurück Richtung Kreuzberg, vorbei an der Goldelse, durchs Brandenburger Tor und Unter den Linden zurück aufs Tempelhofer Feld. Bei bestem Wetter.
Und genau dort passierte etwas, womit ich ehrlich gesagt nicht gerechnet hatte: Diese lautlose Art des Motorradfahrens fühlte sich plötzlich unglaublich greifbar an und die Faszination wird auf einmal sehr erlebbar: Ich hörte die Stadt, die Gespräche und das Lachen an den Ampeln.
Die Reaktionen der Menschen am Straßenrand, es waren unglaublich viele Strahlende Gesichter.
Berlin wirkte plötzlich ganz anders. Und mittendrin Joachim, eine der schönsten Zufallsbekanntschaften dieses Tages. Genau wie Tobias von Can-Am, den wir bereits seit der Intermot 2024 kennen.
BBQ, Motorrad-Bubble und Irene Seidler
Nach dem SilentRide ging es zum gemeinsamen BBQ und dort wartete direkt das nächste Highlight:
Ich durfte Irene Seidler endlich persönlich kennenlernen, eine der absoluten Größen in der Motorradszene und eine echte Frauen-Supporterin. Tobias stellte uns vor und natürlich kannte Irene auch bereits unsere Lou und Claudi von den letzten Messen in Köln und Dortmund. Genau das liebe ich an der Motorradszene: Irgendwie kennt immer irgendwer irgendwen und plötzlich sitzt man zusammen, spricht über Bikes, Reisen, Events und die Zukunft der Szene.
Der Abend endete entspannt, voller guter Gespräche und mit ziemlich viel Vorfreude auf Sonntag. (Und Danke, Irene, fürs spontane Checken der Hinterradbremse meiner Yamaha! Liebe geht raus an dich!)

Sonntag auf dem Reload.Land – Sonne, Beton und Electric Moto Culture
Tag zwei startete mit absolutem Kaiserwetter. Vielleicht sogar etwas zu gut. Wer schon einmal im Hochsommer auf dem Tempelhofer Feld unterwegs war, kennt es: Diese Betonwüste kann brutal heiss werden.
Auch mein Kameramann aka mein Freund, Partner und ehemaliger Frontfahrer “Hütti” war dezent angenervt. Vor allem, weil es auf dem Reload.Land selbst keine eigenen Getränkestände gab und man auf die festivalüblich eher teuren Drinks angewiesen war. Großes Pluspunkt allerdings: Der kostenfreie Wasserspender. Chapeau dafür.
Ich selbst hatte bei gefühlten 30 Grad in voller Motorradkluft ehrlich gesagt nur noch mäßig Lust, weiter über den Asphalt zu marschieren. Bis Tobi von BRP Can-Am wieder auftauchte.
Can-Am Pulse Probefahrt – WHY NOT?!
Da wir sowieso bereits ein zweites Interview geplant hatten, kam ziemlich spontan die Idee auf:
Warum nicht direkt eine Probefahrt mit der neuen Can-Am Pulse machen?
Etwas Fahrtwind klang in diesem Moment wie die beste Idee des Tages. Also schnell eingebucht – danke an Alexander von Bahros Bike Bude übrigens auch fürs Bespaßen meines Kameramanns währenddessen – und dann gab’s erstmal eine kurze Einführung von Thomas, unserem Instruktor.
Kurz darauf ging es los. Eine kleine Runde durch Alt-Tempelhof und Mariendorf. Und ich muss sagen: Das Fahrgefühl hat mich überrascht. Super flitzig. Spritzig. Leichtfüßig. Nicht vergleichbar mit klassischen Verbrennern, aber definitiv mit eigenem Charakter. Mein persönliches Highlight kam allerdings erst zurück auf dem Tempelhofer Feld: Die Pulse hat einen Rückwärtsgang.
Und ja – ich musste laut lachen. Weil das exakt meinem Lebensmotto entspricht: WHY NOT?!

Gespräche, Begegnungen und warum Reload.Land funktioniert
Neben den Bikes waren es vor allem die Menschen, die dieses Wochenende besonders gemacht haben.
Ich hatte außerdem die Gelegenheit, mit Jenny Brooks von Zero Motorcycles zu sprechen. Sie zeigte mir insgesamt vier verschiedene Bikes und gab spannende Einblicke in die Marke und deren Entwicklung.
Auch mit dem netten Herrn von Maeving hatte ich eine tolle Unterhaltung, wieso gerade Electric Bikes für Frauen und Anfängerinnen extrem gut funktionieren. Mit diesem Hersteller liebäugle ich besonders, da ich als Naked-Bike-Liebhaberin mit diesen wunderschönen Retrobikes rein optisch schon am meisten anfangen kann. Guys, wir sehen uns sicher mal für eine Probefahrt mit den Biker Ladies unseres Redaktionsteams.
Auch Ginger Damon alias Gigi von Gigi Montrose Moto Couture lief mir erneut über den Weg. Wir hatten uns während des Silent Rides schon zugewunken und waren direkt auf einer schönen persönlichen und auch “textilen” Wellenlänge. Die Haute-Couture-Designerin verbindet Motorradfahren und Fashion auf eine extrem spannende Weise. Aktuell entwickelt sie eigene Protektoren und ich war nicht nur vom Design begeistert, sondern vor allem von ihr als Mensch: Motorradfahrerin, Entrepreneurin und kreative Visionärin. Gigi – wir sehen uns in Frankreich.

Mein Fazit zum Reload.Land Festival Berlin 2026
Ich werde wahrscheinlich immer Benzin im Blut haben. Ich liebe Sound. Ich liebe Motorenvibrationen und ich liebe klassische Motorräder. Aber Reload.Land hat mir gezeigt, dass elektrische Motorräder längst mehr sind als nur „die leise Alternative“. Es entsteht gerade eine ganz eigene Kultur. Eine neue Community. Mit eigenen Ideen, Designs, Events und Menschen. Und genau das macht dieses Festival spannend.
Nicht als Ersatz für klassische Motorradkultur, sondern als zusätzliche Facette davon.
Ich bedanke mich im Namen von SHE is a RIDER herzlich für die Gastfreundschaft, die vielen spannenden Gespräche und all die tollen Begegnungen an diesem Wochenende. You rock, guys if AC/DC or not – Die Linke häng ich immer zum Grüßen raus, Euer PetrolHead von SHE is a RIDER!

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