„Halt, Stopp, Polizei!“ – oder eben doch nicht. Wer auf der Intermot in Köln am Stand der Rennleitung 110 vorbeikommt, stolpert unweigerlich über dieses ambivalente Gefühl. Das Logo wirkt vertraut, fast amtlich. Doch wer stehen bleibt und zuhört, merkt schnell: Hier geht es nicht um Kontrolle, sondern um Kommunikation. Nicht um Repression, sondern um Prävention. Und vor allem: um uns Biker und Motorradfahrerinnen.
Warum echte Motorradleidenschaft Verantwortung braucht
Im Gespräch mit Jörg, engagiertes Mitglied der Rennleitung 110, wird schnell klar, worum es dem Verein wirklich geht. „Unsere größte Priorität ist Verkehrsprävention“, sagt er. Anständig fahren, anständig anziehen – und vor allem: sportliches Fahren dorthin verlagern, wo es hingehört. Auf die Rennstrecke.
Denn eines ist unbestritten: Knieschleifen, extreme Schräglagen und Grenzerfahrungen haben im öffentlichen Straßenverkehr nichts verloren. Nicht aus Spaßbremserei, sondern aus Respekt. Respekt vor sich selbst, vor anderen Verkehrsteilnehmern – und vor den physikalischen Grenzen, die sich auf der Landstraße nicht verhandeln lassen.
Was viele unterschätzen: Ein Motorrad in extremer Schräglage ist nicht nur breiter, sondern auch deutlich niedriger. In engen, unübersichtlichen Kurven kann das fatale Folgen haben. Ein LKW, ein Bus, ein höheres Fahrzeug – und plötzlich ist man schlicht unsichtbar. Reagieren? In Schräglage fast unmöglich. Genau hier setzt die Arbeit der Rennleitung 110 an.
Mit der Rennleitung 110 ins Gespräch kommen
Statt mit erhobenem Zeigefinger zu agieren, sucht der Verein den offenen Dialog. Auf Messen, an bekannten Motorradtreffpunkten, an Verkehrsschwerpunkten – und ganz bewusst auch an Rennstrecken. Mit sogenannten Warm-up-Trainings und Einstiegsevents wird sportlich ambitionierten Fahrer:innen gezeigt, wie viel mehr Spaß kontrolliertes Fahren auf der Rennstrecke macht. Sicherer. Ehrlicher. Und mit deutlich weniger Risiko für Unbeteiligte.
Wichtig dabei: Die Rennleitung 110 tritt nicht als Polizei auf. Auch wenn einige Mitglieder – wie Jörg selbst – Polizeibeamte sind, ist der Verein längst offen für alle Motorradbegeisterten. Jurist:innen, Handwerker:innen, Angestellte, Selbstständige – entscheidend ist nicht der Beruf, sondern die Haltung. Ehrenamtlich. Leidenschaftlich. Mit einem klaren Ziel: Motorradfahren sicherer zu machen, ohne ihm den Reiz zu nehmen.
Besonders erfreulich aus SHE is a RIDER-Sicht: Frauen sind ausdrücklich willkommen. Bereits jetzt engagieren sich mehrere Bikerinnen aktiv im Verein – darunter auch Juristinnen. Motorradleidenschaft kennt kein Geschlecht, und Prävention funktioniert am besten, wenn sie vielfältig ist.
Was die Rennleitung 110 dabei so glaubwürdig macht, ist ihre Nähe zur Szene. Hier sprechen keine Außenstehenden, sondern Menschen, die selbst fahren. Die wissen, wie sich Adrenalin anfühlt. Die verstehen, warum es manchmal juckt, am Kabel zu ziehen. Und die genau deshalb sagen: Mach es – aber am richtigen Ort.

Mit der Rennleitung 110 voraus denken
Vielleicht ist genau das die wichtigste Botschaft dieses Vereins: Verantwortung und Leidenschaft schließen sich nicht aus. Im Gegenteil. Wer Motorradfahren liebt, schützt es. Und wer langfristig fahren will, denkt weiter als bis zur nächsten Kurve.
Die Rennleitung 110 zeigt, wie Prävention auf Augenhöhe funktioniert. Ohne Blaulicht. Ohne Strafen. Dafür mit Respekt, Dialog und echtem Verständnis für die Motorrad-Community.
Weitere Infos, Termine und Aktionen findet ihr auf der Website des Vereins. Ein Besuch lohnt sich – spätestens auf der nächsten Messe. Oder noch besser: auf der Rennstrecke.
Viele weitere Infos über Events und Rennstreckentrainings findet ihr hier.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar