Carina – Zieht Euer Ding durch. Wenn nicht jetzt Rennstrecke, wann dann?

Carina mit ihrer Triumph Daytoni auf der Rennstrecke. Beachtenswert: Scheinwerfer in pink abgeklebt - SHE is a RIDER
Carina mit ihrer Triumph Daytoni auf der Rennstrecke. Beachtenswert: Scheinwerfer in pink abgeklebt - SHE is a RIDER

Hallo, ich bin Carina 30 Jahre alt und arbeite bei einer Spedition. Seit 2027 habe ich den Motorradführerschein.

Wie und warum bist Du zum Motorradfahren gekommen?

Als ich damals meinen Autoführerschein mit 17 gemacht habe, bin ich direkt mit dem Roller von A nach B gefahren. Und ich habe es geliebt! Ich war super unabhängig und konnte immer und überall hin. Mit der Zeit wollte ich aber mehr. Ich wollte schneller sein. Und ich wollte auch mal auf die Autobahn fahren.
Mein Papa, mein Opa und mein Onkel fuhren damals auch schon Motorrad. Also bin ich quasi mit „Helm-Trägern“ groß geworden. Aber irgendwie habe ich mich nie getraut mich auch für den Motorradführerschein anzumelden. Aber Motorrad fahren wollte ich!

Dann haben meine Mutti und ich irgendwann den Entschluss gefasst, dass wir uns zusammen anmelden, denn sie wollte auch schon seit Ewigkeiten einen Möpi-Führerschein machen. 2017 war es dann soweit und wir haben gemeinsam angefangen. Und natürlich durchgezogen.

Carina arbeitet Stück für Stück an Körperhaltung, Blickführung, Ideallinie usw.
Carina arbeitet Stück für Stück an Körperhaltung, Blickführung, Ideallinie usw.

Welches Motorrad fährst Du und wie groß bist Du bitte?
Warum hast Du diese Maschine gewählt?

Ich fahre eine Triumph Daytona 675 und meine „Toni“ ist mein zweites Motorrad.
Meine erste Maschine war eine Honda CBR500R. Die Honda war erst einmal zum „reinkommen“. Sie hatte nicht viel PS, aber das war total okay für mich! Ich wollte erst einmal ein Gefühl dafür entwickeln, was es bedeutet auf einem Motorrad zu sitzen.

Die Honda hatte ich extra tiefer legen lassen. Mit meinen stolzen 164,5 cm bin ich zwar nicht besonders klein, aber um ein sichereres Gefühl zu bekommen, wollte ich mit beiden Füßen komplett auf dem Boden stehen können.

Eine andere Maschine wollte ich dann haben, weil ich ein bisschen was sportlicheres haben wollte (und natürlich auch was schnelleres). Auf Empfehlung eines Kumpels habe ich mir die Daytona genauer angeschaut. Diese sollte im Vergleich zu anderen Motorrädern leichter und auch gut handelbar sein (besonders für Mädels). Da die Daytona so nicht mehr hergestellt wird, war es wirklich nicht einfach eine Maschine in der Umgebung zu finden. Aber, ich hatte Glück! Ich ließ mir auch diese Maschine vorsichtshalber tiefer legen und bin mit dieser Entscheidung auch super glücklich. Zwar komme ich nicht mit dem kompletten Fuß auf dem Boden an, aber das ist gar nicht schlimm. Mit der Zeit bin ich sicherer geworden, was den Umgang mit der Maschine angeht und ich möchte sie gar nicht mehr missen!

Motorradfahren mit Style und das Logo auf der Sitzbank haben. Bild: Holger Eberth Fotografie
Motorradfahren mit Style und das Logo auf der Sitzbank haben. Bild: Holger Eberth Fotografie

Was bedeutet Dir Motorradfahren heute?

Motorradfahren bedeutet mit heute immer noch das gleiche wie damals: Freiheit.
Ich finde es einfach toll, wenn Du Dich antüdelst: Die Kombi anziehst, den Helm aufsetzt, Dich auf Dein Bike schwingst und irgendwo hinfährst. Ich lieb es auch wirklich einfach nur zur Eisdiele zu fahren oder zur Pommesbude. Es muss nicht immer eine komplette Tour sein.
Obwohl ich wirklich sagen muss, dass die kleinen Touren wirklich zu kurz kommen, seitdem ich auf der Rennstrecke fahre. Aber selbst auf der Rennstrecke habe ich dieses Gefühl. Man kann einfach abschalten und die ganzen anderen Sorgen vergessen. Sobald Du auf dem Möpi sitzt, gibt es nichts anderes!

Was bewunderst Du an anderen Motorradfahrern/Fahrerinnen?

Wie leicht es bei manchen aussieht! Das Handling des Motorrads, wenn sie drauf sitzen oder wenn sie das Motorrad schieben und/oder rangieren müssen. Manche haben echt dieses Talent, dass es so einfach bei denen aussieht. Wenn ich mich damit vergleiche, wie ich mir immer einen abmühe … holy moly.

Und welche Fahrer ich besonders bewundere: Die Kleinen!

Manche kommen wirklich nur mit den Zehenspitzen auf dem Boden an und sind trotzdem so sicher im Umgang mit der Maschine – Hut ab!
Wenn ich auf dem Motorrad sitze, kann ich meistens nicht so gut vor und zurück rangieren. Deswegen muss ich immer absteigen und das Motorrad in Position bringen. Aber egal wie doll ich mich dafür anstrengen muss oder wer auch immer mich währenddessen „belächelt“, am Ende bin ich immer stolz drauf, es alleine geschafft zu haben!

Kennt ihr das auch? Nur mal gerade die Lederkombi anprobieren, ob die Größe stimmt und - Zack, gekauft. Carina kennt das.
Cennt ihr das auch? Nur mal gerade die Lederkombi anprobieren, ob die Größe stimmt und – Zack, gekauft. Carina kennt das.

Was war Deine größte Herausforderung bisher?

Meine größte Herausforderung war das erste Mal auf die Rennstrecke zu fahren. Es war eine super spontane Idee; es waren noch Plätze frei und mir wurde das alles als einfaches „Kurventraining“ von meinem Freund verkauft. Ich hatte mein neues Motorrad noch gar nicht so lange und war schon für ein Fahrsicherheitstraining und ein Kurventraining angemeldet, das war aber alles noch ein paar Wochen hin. Das wollte ich eigentlich erst einmal meistern, bevor die kleine Carina auf die große Rennstrecke soll. Naja, es kam mal wieder anders als man denkt und schon sind wir losgefahren. Ich hatte wirklich echt Muffe und meine Büchs war voll … aber nach dem ersten Turn war ich infiziert. Stück für Stück konnte ich an meiner Körperhaltung, Blickführung, Ideallinie und Geschwindigkeit arbeiten. Und ich bin noch lange nicht fertig! Ich lerne jedes Mal etwas Neues dazu. Einfach nur auf der Straße zu fahren ist nun schon fast langweilig.

Triumph Daytona in rot mit Carina
Irgendwann war die Daytoni auch mal rot.

Gab es schon Mal eine brenzlige Situation?
Wie hast Du reagiert?

Tatsächlich bin ich bisher immer gut davon gekommen. Klar war es hier und da mal knapp, aber einen richtigen Unfall hatte ich bisher noch nicht.
Ab und an habe ich das Motorrad mal gaaaaaanz langsam auf die Seite gelegt, weil ich beim Bremsen die Beine zu weit hinten hatte und somit das Gleichgewicht nicht mehr richtig halten konnte.
Ansonsten hat mich die Toni nur einmal beim Fahrsicherheitstraining auf abgesperrtem Gelände abgeschüttelt. Hier war ich einfach zu fest auf der Hinterradbremse. Aber außer ein paar blauen Flecken und ein paar kleinen Kratzern an der Maschine ist nichts weiter passiert. Das Gute ist, ich wusste bisher immer, wo mein Fehler war und was ich dann dementsprechend besser machen muss, um solche Fehler zu vermeiden.

Was war Dein schönstes Erlebnis?

Mein erstes Mal Knieschleifen! Ich weiß, darauf kommt es wirklich nicht an. Man sollte das nicht erzwingen. Es ist viel wichtiger eine gute Körperhaltung zu haben. Aber mein größter Wunsch war es wirklich einmal mit dem Knie unten zu sein.

Knie fast unten. Wir haben alle Ziele und Carinas war: Knie schleifen lassen!
Knie fast unten. Wir haben alle Ziele und Carinas war: Knie schleifen lassen!

Anscheinend brauchte ich dafür ein bisschen länger, als andere Fahrer/innen aber irgendwann hatte ich es dann tatsächlich geschafft! Und es war toll, weil ich da wirklich für gearbeitet habe und an der Körperhaltung und Geschwindigkeit gefeilt habe. Beim ersten Mal fühlte es sich auch irgendwie total falsch an und ich habe mich mächtig erschrocken! Aber mit der Zeit ist es ein richtig gutes Gefühl geworden. Im Straßenverkehr habe ich das übrigens noch nie ausprobiert, dafür bin ich zu sehr Schisser! Und ich finde auch, dass es dort nicht hingehört. Wer seine Grenzen austesten mag, der sollte dies wirklich auf der Rennstrecke tun und nicht auf der Straße.

Wo oder welche Strecke würdest Du gern einmal fahren?

Ich würde sehr gerne noch viele andere Rennstrecken kennenlernen! Und natürlich wären Touren Richtung Schwarzwald oder Österreich auch total toll. Im Prinzip hab ich noch gar nicht so viel von der Welt mit dem Motorrad gesehen.

Was würdest Du Dir selbst raten, wenn Du jetzt mit dem Motorradfahren beginnen würdest?
Drei Tipps aus Deiner persönlichen Erfahrung?

  • Lass Dich ordentlich und fachmännisch bei Deiner Schutzkleidung beraten! Wer sich gar nicht oder schlecht beraten lässt, kauft 2x.
  • Trau Dich! Fahr, was das Zeug hält und übe, damit Du sicherer wirst.
  • Auch Anfänger können auf die Rennstrecke und sie werden nicht schief angeguckt. Jeder fängt irgendwann mal an.
Die Rennstrecke macht aus Carina vielleicht eine bessere Motorradfahrerin - Aber auf jeden Fall  macht die Rennstrecke sehr viel Spaß!
Die Rennstrecke macht aus Carina vielleicht eine bessere Motorradfahrerin – Aber auf jeden Fall macht die Rennstrecke sehr viel Spaß!

Warum sollte Frau Motorradfahren?

Na, warum denn nicht? Frauen können das genauso gut, wenn nicht sogar besser als die Männer!

Ich fahre seit dem letzten Jahr (2021) auf der Rennstrecke. Und seitdem habe ich so unglaublich viele Power-Frauen kennengelernt! Alles Mädels, die besser fahren als viele Männer. Mit besserer Körperhaltung, besserer Blickführung und viel, viel schneller!

Ist da noch etwas, was Du unseren Leserinnen gern mitteilen möchtest?

Macht das, was ihr schon immer mal machen wolltet!
Das Leben ist wirklich viel zu kurz um zu sagen „mache ich irgendwann“ – macht worauf Ihr Bock habt und macht es für Euch. Lasst Euch bitte nicht einreden, dass Ihr irgendwas nicht könnt oder das Ihr zu schlecht seid oder oder oder.

Zieht Euer Ding durch. Wenn nicht jetzt, wann dann?

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1 Kommentar

  1. Hey Carina, danke für dein Portrait und die Fotos mit Maschine und im tollen Outfit
    der Einteiler-Kombi.

    Zweiteiler oder Einteiler
    Als ich mich in diesen ersten Frühlingstagen mit meinen vorgerückten 50 Lebensjahren erstmals mutig für eine Einteiler-Lederkombi entschieden habe, löste dies im Motofachgeschäft keine Begeisterung aus. Der Verkäufer setzte allein nur auf Zweiteiler. Ich probierte trotzdem einige ganzteilige Kombis aus. Brachte gar mit meinen Wünschen den Verkäufer sichtbar auf Trab, wie oft er ins Lager immer wieder neue Passformen holen musste… Liebe Ladys, lasst euch bei der Schutzkleidung wirklich nicht sparen und gar beim Kauf unter Druck setzen! Auch wenn ich kaum mal auf die Rennstrecke gehe, meine neue Einteiler-Kombi passt mir nach langer Anprobe perfekt und habe mit meiner feinen Körpergrösse kein Problem, dass da was klemmt oder zu eng ist. Mir kommt nur noch eine einteilige Schutzkleidung in Frage, ist doch viel sicherer! Schade, mich nicht schon früher mit etwas Überwindung in eine solche Kombi gewagt zu haben. Mein Mann findet mich im ganzen Leder jedenfalls wahnsinnig attraktiv und sexy. Freue mich schon auf die ersten Ausfahrten im neuen Outfit! Auch meine Tochter und ihre beste Freundin tragen nur noch Einteiler. Darunter einen praktischen Unterziehoverall direkt auf der Haut für ein besseres Körperklima und für den bequemeren rascheren Einstieg in die einteilige Kombi. Zweiteiler oder Einteiler? Schön, vielleicht um ein Feedback auf meinen Erfahrungsbericht zu erhalten.

    Passt auf und immer gute Fahrt!

    Sandra

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