Laura – Motorradfahren. Ich wollte Freiheit und Rebellion

Laura mit zwei Triumph-Bikes.
Vom Supersportler zum Naked Bike. So kam Laura zur Triumph.

Hallo, wie heißt du bitte? Laura, Spitzame Luri
Und wie alte bist du? bin 30 Jahre jung,
Was ist dein Job? Ich bin Gründerin von Moto Queen – Motorradbekleidung und Accessoires für Frauen. Und darüber hinaus begleite ich meinen Mann als Co-Guide auf Motorrad-Touren.
Seit wann fährst du Motorrad? Ich fahre seit 2010.

Wie und warum bist du zum Motorradfahren gekommen?

Ich bin gerade 21 geworden. Ich wollte Freiheit und Rebellion. Und ja, das klingt jetzt etwas übertrieben. Aber meinen Eltern hat es damals so gar nicht gefallen, dass ich meinen Motorrad-Führerschein machen wollte. Heute sind wir da im Reinen.

Welches Motorrad fährst du? Warum hast du diese Maschine gewählt?

Aktuell fahre ich meine Triumph Street Triple.

Anfangs war ich auf Supersportler eingeschossen und bin eine Honda CBR 600RR gefahren. Es war eine Hannspree Sonderedition. Ich hab Sie gesehen und ich musste sie haben.

Honda CBR 600 RR in der Hannspree-Edition.
Honda CBR 600 RR. Gesehen und gekauft!

Dann bin ich die Triple von meinem Mann Probe gefahren und war sofort verliebt. Es ist einfach ein anderes Fahren. Die Street Triple ist ein Naked-Bike mit einer aufrechteren Sitzposition. Bei der Probefahrt habe ich dann das leichte Handling und die aufrechtere und für mich plötzlich angenehmere und entspanntere Sitzposition gespürt. Und oben drauf hat sie ABS.

Was bedeutet dir Motorradfahren heute?

Zeit mit tollen Menschen. Egal, ob auf unseren Motorrad-Touren oder bei Moto Queen Partys. Ich habe so interessante und liebe Menschen kennen gelernt. Und egal, wie unterschiedlich wir doch sind, wir haben alle unsere Leidenschaft für das Motorrad fahren.

Stilfser Joch bergab.
In die Kurve legen. Heute einfach, damals nicht ganz so einfach – zumindest vom Kopf her.

Was bewunderst du an anderen Motorradfahrern/Fahrerinnen?

Ich bewundere die Menschen, die sich mit der ganzen Fahrtechnik und Physik auskennen. Ich weiß noch, wie ich mich damals mit der Angst umzufallen, in die erste Kurve gelegt habe. Heute lache ich darüber.

Was war deine größte Herausforderung bisher? Wie hast du Sie gemeistert und wie hat das dein weiteres (Biker)Leben beeinflusst?

Das Stilfser Joch mit seinen 48 nummerierten Kehren, während sich Wohnmobile und ähnliches vor dir, den Pass hochzwängen!
Das geht dann so: Stehen bleiben, bloß nicht umkippen, weiterfahren und engste Kehren mit einer minimalen Sicht nehmen – Aber auch das geht.

Blick zurück aufs Stilfser Joch.
Gemacht, geschafft und drüber gelacht! Viele Spitzkehren später hat Laura gut Lachen.

Gab es schon mal eine brenzlige Situation? Was war es und wie hast du reagiert?

Ich selbst, Gott sei Dank, hatte noch nie eine brenzlige Situation. Dafür habe ich aber so Einige mitbekommen und auch dabei immer wieder etwas für mich gelernt: Immer mit dem Fehlverhalten der Anderen zu rechnen!

Was war dein schönstes Erlebnis?

Leute ehrlich, ich kann mich gar nicht festlegen. Das Bestehen der Führerscheinprüfung. Die Rennstrecke bei Regen (da wusste ich erst, was alles bei Regen geht). Die Dolomiten und ihre Kurven. Mein Herzens-Projekt Moto Queen.

Wo oder welche Strecke würdest du gern einmal fahren? Warum reizt dich das?

Ich würde liebend gerne, wenn es die Zeit zulässt, wieder mehr auf der Rennstrecke fahren. Da kann man sich richtig austoben. Und vor allem gibt es da keinen Gegenverkehr und keine herumlaufenden Menschen.

Laura mit Alpinestars auf Triumph.
Der Lederkombi sitzt. Ist ja auch der zweite Kauf gewesen.

Was würdest du dir selbst raten, wenn du jetzt mit dem Motorradfahren beginnen würdest? Drei Tipps aus deiner persönlichen Erfahrung?

  1. Kauf dir von Anfang an gescheite Klamotten und welche, die zur dir passen. Nimm jemanden mit, der sich wirklich auskennt und lass‘ Dich ordentlich beraten. Für meinen Fahrstil, wurde mir (das weiß ich heute) damals schlechtes Material verkauft, gepaart mit einer unzureichenden Beratung.
  2. Ich würde mir viel mehr Motorräder anschauen, und vor allem mehr auf die verschiedenen Fahrstile eingehen (Supersportler, Naked Bike etc.).
  3. Ich würde viel früher, als ich es damals gemacht habe, ein Fahrsicherheitstraining machen.

Zu 1: Du wurdest schlecht beraten?

Ich bin schon etwas flotter unterwegs. Damals, wie heute, wünschte ich mir entsprechenden Schutz. Im Falle meiner ersten Lederkombi, passte sie zwar ganz gut von den Körpermaßen, jedoch drückten die Protektoren an meinen Knien (und das schon dezent bei der Anprobe). Es hieß: „Das wird nicht weiter drücken, kein Problem, das gibt sich“. Ich spürte dann das Drücken bei jeder Ausfahrt, egal ob Lang- oder Kurzstrecke. Mit der darauffolgenden Lederkombi hatte ich das Problem nicht mehr.

Bei meiner Textilkombi war es ganz einfach: „Diese eine gibt es für Frauen. Entweder die oder wir müssen bei den Männern schauen“. Das Beste war die Aussage: „Das ist dann auch nicht so schlimm, wenn das etwas lockerer sitzt, soll ja bequem sein“.

Zu 3: Warum hat es bei dir so lange gedauert, bis du ein Sicherheitstraining gemacht hast?

Naja, vielleicht weil ich dachte, dass ich es nicht brauche. Ich fahre zwar flott, aber schon immer vorsichtig und mit Puffer. Bis mein Mann mich einfach morgens mitgenommen hat, weil jemand bei einem Training ausgefallen ist. Ach herrje, was wurde ich an dem Tag geerdet. Gleichzeitig habe ich mich nach dem Training viel sicherer gefühlt. Sicherer aber auch völlig k. o.

Seitdem mache ich jedes Jahr ein bis zwei Sicherheitstrainings. Gerade am Anfang der Saison hilft es, wieder schnell in alte Form zu kommen. Blickführung, Beweglichkeit auf dem Motorrad, sich voll in die Bremse rein zu trauen, im Winter geht das bei mir teilweise in den Winterschlaf.

Triumph vor Hecke.
So ein Motorrad wertet jede Hecke auf.

Warum sollte Frau Motorradfahren?

Völlig schnuppe, ob Männlein oder Weiblein, es macht einfach Freude!

Ist da noch etwas, was du unseren Leserinnen gern mitteilen möchtest?

Sehr gerne. Ich habe Moto Queen nicht nur aus purem Spaß gegründet (aber natürlich steckt da auch viel Freude und Spaß drin). Wir Frauen haben bei all unseren Touren und Treffen immer wieder die gleichen Diskussionsthemen: Kleine Klamottenauswahl, schlechte Passform, keine Farbauswahl und wir haben Fragen zum Material.

Darüber hinaus habe ich ja auch noch meine eigenen Erfahrungen machen dürfen. Ich möchte mit Moto Queen für uns Frauen in der Motorrad-Branche etwas ändern und etwas vorantreiben. In Bezug auf Frauen, schläft die Branche leider noch.

Laura auf Triumph vor der Werkstatt.
Laura weckt die Branche auf und will die gleiche Auswahl an Schnitt und Farbe wie bei den Männern.

Was willst Du ändern und vorantreiben?

Ich schlage z.B. eine Seite in einem Katalog auf: 20 Kombis für Männer, zwei für Frauen. Es ist einfach unausgewogen. Ich möchte ja nicht, dass wir jetzt die Gewinner in der Branche sind, aber ein Gleichgewicht wäre schön. Mehr Auswahl bei den Klamotten selbst und auch die Farbauswahl sollte identisch sein. Nur weil es für Männer die Jacke in blau gibt, heißt das heute noch lange nicht, dass es diesen Style/Farbe auch für Frauen gibt.

Deshalb biete ich u.a. regelmäßig die Moto Queen Partys an. Wir sind dann 4-5 Bikerinnen. Wir tauschen uns aus. Die Infos, Kritikpunkte und was bisher auch toll läuft, gebe ich an die Hersteller weiter. Einige schenken mir da mehr, andere weniger Gehör.

Zudem versuche ich mit verschiedenen Projekten, so viel wie möglich für uns Frauen an Weiterentwicklung rauszuholen. Z. B. arbeite ich mit Germot an einer neuen Textilkombination. Hier fließen die Erfahrungen von uns motorradliebenden und -fahrenden Frauen mit ein und ich erhalte Einblick in den gesamten Herstellungs-Prozess von Motorradklamotten. Dafür bin ich sehr dankbar.

Die Zahl der Bikerinnen steigt. Zusammengefasst möchte ich deshalb neben der bereits erwähnten „Aufklärungsarbeit“ ein Gleichgewicht herstellen. Keine Benachteiligung mehr, was Farbe, Passform oder Qualität der Bekleidung betrifft.

Mit Moto Queen nehme ich all die Erfahrungen von Frauen auf und möchte diese an die Branche weitergeben. Dazu möchte ich „Aufklärungsarbeit“ leisten. Nicht mit erhobenem Finger und Frauen belehren, was sie tun und lassen sollen. Nein, sondern darüber, was es für uns Frauen alles an Ausrüstung und Bekleidung gibt und was alles möglich ist. All das, individuell und persönlich auf die Fahrerin und ihren Fahrstil abgestimmt.

Lauras Moto-Queen-Shop findet ihr hier.



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