Christina – Es fühlt sich an, als könnte ich fliegen – SHE is a RIDER

Christina ist mit dem Motorrad im Lockdown über 26.0000 km gefahren.
Christina ist mit dem Motorrad im Lockdown über 26.0000 km durch Italien gefahren.

Hallo, wie heißt Du bitte? Christina
Und wie alt bist du? 31
Was ist dein Job? Ich schreibe Blogs für MissBiker.com, teste Motorradbekleidung und bin Contributor auf Instagram.
Seit wann fährst du Motorrad? Seit immer schon mit Herz und Seele, aber seit erst einem Jahr mit offizieller Fahrerlaubnis.

Wie und warum bist du zum Motorradfahren gekommen?

Als ich das erste Mal auf einem Motorrad gesessen bin, war ich 9 Jahre alt. Ich saß hinten ‚drauf und hab mich am Fahrer festgehalten. Er ist natürlich sehr langsam gefahren, aber für mich ist es schnell und wunderschön gewesen. Das Gefühl ist unvergesslich, ich habe die Augen geschlossen und dachte, ich kann fliegen. Wahrscheinlich an dem Tag habe ich unbewusst entschieden, dass ich eines Tages Motorrad fahren werde.

Mit 18 wollte ich meinen Motorradführerschein gleichzeitig mit dem Autoführerschein machen, aber ich konnte mir beides zusammen leider nicht leisten. Aus verschiedenen Gründen und wie es im Leben so ist, habe ich diesen Wunsch immer wieder verschoben bzw. auf die Seite gelegt. Zum 30. Geburtstag habe ich mich dann von nichts mehr aufhalten lassen und habe mir somit meinen Traum erfüllt. Ab dem Moment wo ich meinen Motorradschein endlich bekommen hatte, bin ich regelrecht „motorradsüchtig“ geworden. Ich möchte auch gleich dazu sagen, dass ich in Italien lebe. Trotz Corona-Zeit und Lockdown, wo man die eigene Ortschaft nicht verlassen durfte, habe ich bereits knappe 26.000 Kilometer angesammelt!

Christina mit ihrer Kawasaki Z 650
Christina mit ihrer Kawasaki Z 650

Welches Motorrad fährst du?

Ich fahre ein Kawasaki Z650.

Warum hast du diese Maschine gewählt?

Es war Liebe auf den ersten Blick! Ich habe immer vom einer Kawasaki Ninja geträumt. Ich wollte ein sportliches Motorrad mit viel PS und was „böse“ aussieht.
Als ich mich dann auf die Suche nach meinem ersten Motorrad gemacht habe, sah ich beim Motorradhändler diese „kleine schwarze Maschine“, die auf mich gewartet hat. Ich habe mich ‚drauf gesetzt und wir waren sofort füreinander bestimmt.
Ich finde außerdem, dass das die Kawasaki Z650 sehr gut für Fahranfängerinnen ist. Es ist nicht zu groß, wiegt nicht viel im Vergleich zu anderen Motorrädern und beim Preis-Leistungs-Verhältnis ist sie ein Schnäppchen gewesen.

Was bedeutet dir Motorradfahren heute?

Es macht mich glücklich, es ist meine Freiheit. Wenn ich Motorrad fahre, vergesse ich alle Sorgen und Probleme. Es ist genau dasselbe Gefühl, das ich damals als Kind hatte. Ich fühle mich so frei als könnte ich fliegen.
Mit dem Motorrad fahre ich überall wohin ich möchte, grenzenlos und es macht mich stolz. Wenn ich mich auf das Motorrad setze und das Visier meines Helms senke, fahre ich in eine andere Welt hinein. Alles ist schön, man hat den vollen Blick auf alles was auf einem herum ist. Man nimmt jeden Geruch wahr und man kann die Luft spüren. Jede Fahrt ist ein unterschiedliches Erlebnis. Es sind Emotionen die man schwer erklären kann, die muss man selbst erlebt haben. Das Motorrad ist meine Droge, eine Sucht die aber legal ist.

Was bewunderst du an anderen Motorradfahrern/Fahrerinnen?

Ich bewundere Frauen die auf den Rennstrecken fahren. Dazu braucht man viel Mut und Kraft, es ist nicht einfach. Ich würde es sehr gerne irgendwann ausprobieren. Ich bewundere Motorradfahrer/innen allgemein, weil es eine Leidenschaft ist, die auch das Leben kosten kann. Es muss uns immer bewusst bleiben, dass es Spaß macht und gleichzeitig gefährlich sein kann. Ich habe immer Respekt vor dem Motorrad und bewundere auch die, die leider einen Unfall hatten und sich trotzdem nicht davon abhalten lassen.

Motorradtour durch Nord-Italien im Regen
Motorradtour in Norditalien – Bei Regen!

Was war deine größte Herausforderung bisher?

Gleich nach dem Führerschein habe ich eine Motorradreise von Nord-Italien nach Süd-Italien geplant und unternommen. Ich hatte entschieden, keine Autobahnen zu nutzen. Ich bin nur auf Landstraßen gefahren, von einer Region in die nächste. Ich hatte null Erfahrung und ich war komplett unorganisiert. Mein Unglück ist das Wetter gewesen. Es hat pausenlos geregnet, jeden Tag. Von 10 Fahrten waren 8 im Regen. Ich hatte so viel Wasser erwischt, dass das Display vom Motorrad irgendwann nicht mehr funktionierte und ich nicht mal mehr wusste welche Geschwindigkeit ich fahre und in welchem Gang ich bin.

Am Anfang war es sehr unangenehm bzw. unpraktisch, aber gleichzeitig war es sehr hilfreich. Der starke Regen hat es mir vor allem psychisch sehr schwer gemacht. Ich war noch nie im Regen gefahren und habe mich sehr unsicher gefühlt. Es war Oktober und kalt. Ich habe meine Hände kaum gespürt. Ich fuhr ohne klare Sicht, weil das Visier immer nass war und meine Regenbekleidung war auch nicht optimal. Jedes Mal bin ich komplett nass und verfroren am Zielort angekommen. Es war demoralisierend und die Gastgeber waren nicht immer freundlich und hatten oft kein Verständnis für die Situation. Ein wenig Mitleid hätte mir sicherlich gutgetan und psychisch etwas mehr Kraft gegeben.

Diese Reise ist für mich unvergesslich und es war die beste Lehre, um alleine durchzukommen und die Kontrolle über die Situation zu behalten. Auch als Übung für das Fahren ist es super gewesen. Heute fahre ich bei Regen fast besser als mit Sonnenschein! Ich fahre ganzjährig ohne Angst und das mittlerweile auch bei Eisglätte.

Gab es schon mal eine brenzlige Situation?
Was war es und wie hast du reagiert?

Einmal bin ich zwischen einem Weingelände gefahren. Es war wunderschön: die Weintrauben, das Panorama, das perfekte Fahrklima. Ich wollte unbedingt ein Foto mit dem Motorrad und die Weintrauben machen und habe es genau dazwischen gestellt. Leider war die Erde sehr weich und das Motorrad ist sekundenschnell versunken, wie im Treibsand. Es war auch bergab. Ich stand plötzlich da: Motorrad in den Händen und wusste nicht mehr weiter. Es steckte fest und je mehr Bewegungen ich machte, desto tiefer sank das Rad ein. Die circa 200 Kilo was mein Motorrad wiegt, wurden immer schwerer und kein Mensch ist vorbeigekommen, um Hilfe anzubieten. Ich war komplett verzweifelt und hatte keine Kraft mehr. Einerseits hätte ich am liebsten das Motorrad fallen lassen und andererseits dachte ich an die Folgen, an eventuelle Reparaturen und Kosten.

Außerdem war ich 250 Kilometer von Zuhause entfernt und brauchte mein Motorrad, um wieder Heim fahren zu können. Ich weiß bis heute nicht, wie ich es geschafft habe, das Motorrad aus diesem Loch wieder herauszubekommen. Ich erinnere mich nur noch daran, wie verschwitzt ich war und dass mir vor lauter Stress und Panik erstmal schlecht geworden ist. Aber ich habe es geschafft!

Motorradtour durch Nord-Italien - Bei Sonnenschein!
Motorradtour durch Nord-Italien – Bei Sonnenschein!

Was war dein schönstes Erlebnis?

Jede Ausfahrt ist das schönste Erlebnis. Wenn ich nachdenke, ist es zum Beispiel sehr emotional gewesen, als ich nach Süd-Italien in einer kleinen Ortschaft mit dem vollgepackten Motorrad angekommen bin. Die Leute bewunderten mich und waren erstaunt als sie bemerkt haben, dass ich eine Frau bin. Die Kinder standen um mich herum und haben mich mit großen Augen angeschaut. Unvergesslich der Blick eines kleinen Mädchens, sie hat mich angeschaut als wäre ich eine Superheldin. Eines Tages wird sie bestimmt auch Motorradfahren.

Wo oder welche Strecke würdest du gern einmal fahren?

Ich möchte mal zum Nordkap fahren, weil es von Italien aus zu den Herausforderungen schlechthin gehört, die man in Europa gemeistert haben muss. Die Wetterbedingungen sind oft „nicht einfach“ und der Regen gehört mittlerweile zu meinen Motorradtouren einfach dazu.
Aber mein größter Wunsch ist es, nach Amerika zu fliegen und mit einer Harley auf der Route66 zu fahren. Wenn man schon zum ersten Mal auf einer Harley fährt, dann auf der Route66!

Was würdest du dir selbst raten, wenn du jetzt mit dem Motorradfahren beginnen würdest? Drei Tipps aus deiner persönlichen Erfahrung?

  • Habe Selbstvertrauen
  • Gib nicht zu viel auf die Meinung von anderen Fahrern. Es ist wichtig sich nicht unnötig vom Partner oder Freunden unter Druck setzen zu lassen, denn keiner ist als Motorradfahrer auf die Welt gekommen
  • Probiere viel aus und mache Kurse, Sicherheitstrainings etc. denn „Übung macht die Meisterin“
RIDER of the WEEK - CHristina aus Italien
Christina schreibt für die MissBiker.com Community.

Warum sollte Frau Motorradfahren?

Eine Frau sollte Motorradfahren, weil es ein unbeschreibliches Gefühl ist. Motorradfahren ist Therapie für die Seele. Es macht Spaß und ist der beste Antistress den man haben kann. Eine Frau sollte Motorradfahren, weil man immer wieder neue Erfahrungen machen kann und neue Bekanntschaften schließtt, die neue Herausforderungen mit sich bringen können.
Mir ist es für MissBiker passiert. MissBiker ist eine Frauen-Community, die über 10.000 Mitgliederinnen in Italien hat. Ich schreibe heute Blogs dafür und teste Motorradprodukte, z.B. Bekleidung.

Durch diese Community habe ich neue Fähigkeiten in mir entdeckt und viele tolle Frauen kennengelernt. Ich kann an Events teilnehmen oder mich ganz einfach mit anderen Frauen zu Ausfahrten treffen. In dieser Community kann man offen und ehrlich über jedes Thema sprechen. Es tut gut über eigene Zweifel reden zu können, Fahrängste zu teilen oder vielleicht kleine Fahrfehler durch Ratschläge verbessern. Immer wieder lustig ist es auch zusammen über peinliche Situationen lachen zu können. Es ist einfach schön die Leidenschaft auf „weibliche Art“ zu genießen.

Ist da noch etwas, was du unseren Leserinnen gern mitteilen möchtest?

Habt immer viel Spaß beim Motorradfahren und entdeckt die Welt.

Mehr von Christina und ihren nächsten Motorradtouren könnt ihr hier lesen.

1 Kommentar

  1. Ich bin stolz auf mein großes Mädchen und bewundere ihren Mut. Sie hat ihren Traum verwirklicht und genießt ihn. Natürlich habe ich immer etwas Angst wenn Christina unterwegs ist, aber ich vertraue ihr. Weiterhin schöne Fahrten

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