Hallo, wie heißt Du bitte? Claudia aka missridelaot
Und wie alt bist Du? Ich bin 40 Jahre alt
Was ist dein Job? Servicekraft in der Gastronomie sowie Tourguide für Motorradtouren.
Seit wann fährst du Motorrad? Mit 18 Jahren habe ich den Schein gemacht, Anfang 20 das erste Bike zugelegt ‘ne Suzuki 500gs Bj. 1991 welches ich hauptsächlich als Alltagsfahrzeug genutzt habe, nach 6 Jahren ohne Bike kam meine Yamaha R6, die als Touren Motorrad zweckentfremdet wurde. Und bis heute meine schwarze GS

Wie und warum bist Du zum Motorradfahren gekommen?
Wie? Schwer zu sagen, da ich weder in der Familie noch im Freundeskreis mit Motorrädern zu tun hatte, aber ich hatte schon immer den starken Drang nach Freiheit und Unabhängigkeit. Aus meinem Kindheitswunsch ein schwarzes Pferd zu besitzen wurden: eine schwarze Suzuki, eine schwarze Yamaha und schließlich meine schwarze BMW.
Welches Motorrad fährst Du?
Ich fahre eine BMW F800 GS und ich bin 174cm groß, ich habe die Maschine für meine Weltreise gewählt da sie sowohl auf befestigten sowie unbefestigten Straßen super geeignet ist, allerdings hatte ich am Anfang auf Grund der Sitzhöhe bedenken und war sogar am überlegen, sie tiefer zulegen. Zum Glück habe ich mich dagegen entschieden, da dies das Fahrverhalten komplett geändert hätte. Ich machte mir bewusst, dass es an der Technik liegt und ich lernen werde, mit der Höhe klarzukommen und so war es dann auch.

Du hast einen Spitznamen oder einen Insta-Namen?
Mein geläufigster Spitzname ist einfach Claudi, habe aber insgesamt schon so einige Spitznamen bekommen.
Auf Instagram nenne ich mich missridealot, der Name kam bei einem Brainstorming mit Freunden auf, inspiriert von Sir Lancelot – dem Ritter, der für Mut, Abenteuer und Loyalität steht. Die Idee MissRideALot hat sofort geklickt weil sie genau das beschreibt was meine Reise ausmacht: viel fahren, viele Abenteuer erleben, die Herausforderungen nehmen wie sie kommen und meinen eigenen Weg gehen. Der Name wird allerdings von manchen Männern falsch verstanden, aber das liegt eher an ihrer Fantasie als an meinem Namen. Ich lasse es einfach stehen, denn ich weiss was dahinter steckt und alle die mich ernsthaft begleiten auch. Ride-a-lot steht bei mir ganz klar fürs Motorradfahren, Punkt.
Was bedeutet Dir Motorradfahren heute?
ALLES! Es ist pure Freiheit, tiefe Verbundenheit mit der Natur, den Elementen und der Welt. Die Straße zwingt mich, präsent zu sein, der Wind reißt die Gedanken weg, die mich sonst einengen, und dadurch bringt es mich jedes Mal zurück zu dem Menschen, der ich innerlich wirklich bin und erlaubt mir, ich selbst zu sein.
Echt. Ungefiltert. Frei. Lebendig.

Was bewunderst Du an anderen Motorradfahrinnen?
Ich bewundere andere, wenn ihr fahrerisches Können über jede Erwartung hinausgeht, sie über ihre eigenen Grenzen hinauswachsen, weil sie mutig sind, dranbleiben und immer weiter machen, um besser zu werden. Dieses Zusammenspiel aus Können, Mut und kontinuierlicher Entwicklung gepaart mit dem gewissen etwas Craziness – das beeindruckt mich am meisten.
Was war Deine größte Herausforderung bisher?
Da gibt es so einige. Aber sie haben alle eines gemeinsam: ich habe mich ihnen gestellt und bin daran gewachsen, bedeutet aber nicht das ich diese immer mit bravour gemeistert habe.
Am stärksten geprägt haben mich meine Fahrten im Himalaya. Dort oben auf den höchsten Gipfeln unserer Erde, wo Straßen und Wetter völlig unberechenbar sind, wird einem schnell bewusst wie klein man ist und wie stark man werden kann. Die abenteuerlichen Strecken und das ständige Ungewisse verlangen alles ab. Immer auf alles gefasst sein: Wetter, Höhe, Straßen oder Straßen die durch Landrutsche verschwinden, Überraschungen sind vorprogrammiert. Genau das macht es so prägend, diese Berge lassen dir keine Wahl: Du stellst dich dem Weg der vor dir liegt.
Alternativen gibt es nicht und zurückfahren ist keine option.

Meine erste Reise in die Himalayas war 2019 in Nepal wo ich mich mit einer gemieteten Honda CRF 250 bewusst genau diesen Herausforderungen gestellt habe, und mich meinem Traum von einer Weltreise einen Schritt näher brachte. Es hat mir gezeigt was möglich ist, wenn man Vertrauen hat, Mut und Neugier zusammenbringt – seitdem fahre ich anders, bewusster.
Gab es schon Mal eine brenzlige Situation?
Eine der brenzligsten Situationen hatte ich in Timor-Leste und sie kam völlig unerwartet. Ich war mitten in einer Flussüberquerung, die eigentlich schon fast geschafft war. Doch am anderen Ufer erwischte ich mit dem Vorderrad einen großen Stein. Das Motorrad schaukelte sich auf, ich versuchte gegenzuhalten, und im nächsten Moment wurde mein rechtes Bein nach hinten gedrückt, direkt auf Höhe des Koffers. Dann fiel die ganze Maschine mit voller Wucht auf mein Bein.

Ich habe sofort gespürt, dass etwas gebrochen war. Mein Fuß fühlte sich an, als wäre er nicht mehr mit dem Bein verbunden. Aber anstatt in Panik zu geraten, wurde ich ruhig. Ich wusste, dass Panik mir absolut nichts bringen würde also habe ich die Situation akzeptiert, genauso wie sie war. Die Einheimischen waren in Sekunden bei mir, hoben das Motorrad von meinem Bein, und ich konnte meinen Kontakt aus dem Gasthaus anrufen. Und dann wurde es fast surreal: Mein Gasthaus-Team ließ eine Drohne steigen, um zu sehen ob sie mit dem Pick-up-Truck zu mir kommen, da dies nicht möglich war hing ich mich links und rechts auf die schultern zweier Männern. Darauf folgte ein lift von einem Bagger um mich so über das unwegsame Terrain zu bringen.

Es war chaotisch, improvisiert und gleichzeitig unglaublich herzlich. Danach folgten sechs Stunden ins Krankenhaus, eine Fahrt, die ich nie vergessen werde denn trotz Schmerz und Schock war ich in diesem Moment erfüllt von purer Dankbarkeit und Glück, einfach heil aus dieser Situation gekommen zu sein. Und Gleichzeitig musste ich in genau diesem Moment akzeptieren, dass meine Reise hier vorerst endet. Diese Mischung aus Dankbarkeit und Klarheit war brutal ehrlich aber sie hat mir gezeigt, dass auch das Scheitern Teil des Weges ist.
Rückblickend war das keine Szene aus einem Abenteuerfilm, sondern eine sehr reale Lektion:
In extremen Momenten helfen Ruhe, Akzeptanz und die Bereitschaft, Hilfe anzunehmen.
Was war Dein schönstes Erlebnis?
Im Iran bin ich auf der Suche nach einem Zeltplatz mitten im Nirgendwo in den Bergen bei einem Hirten gelandet. Der Erstkontakt kam zustande, als ich mein Motorrad auf dem steinigen, sandigen Terrain umgeworfen habe. Er tuckerte mit seinem kleinen, uralten Bike zu mir heran, mit einem breiten, ehrlichen Lächeln. Da habe ich sofort sein warmes Herz gespürt. Er lebt in einem Tal ohne Handyempfang und hat für eine Nacht sein Camp zu meinem Unterschlupf gemacht. Natürlich hat es mich Überwindung gekostet, als allein reisende Frau bei mehreren fremden Männern in der Wildnis zu bleiben, aber wir verstanden uns trotz Sprachbarriere sofort. Ich hatte die Ehre, in seinen Alltag einzutauchen, inklusive einer Schafschlachtung am frühen Morgen.
Diese Erfahrung hat mein Herz geöffnet. Sie hat mich gelehrt, dass Vertrauen belohnt wird. Und ab diesem Moment haben sich auf meiner Reise noch viel mehr Türen geöffnet, zu anderen Häusern, anderen Welten, Kulturen und Erlebnissen.

Wo oder welche Strecke würdest Du gern einmal fahren?
Auf jeden Fall reizt mich Patagonien – und die Atacama-Wüste steht genauso weit oben auf meiner Liste. Mich ziehen diese extremen, abgelegenen Landschaften an, die aussehen, als wären sie von einem anderen Planeten. Weite, Stille, Wind, Staub … und dazu Off-Road-Strecken, die einen wirklich fordern.
Ich liebe genau das: Orte, an denen man niemandem begegnet, an denen man sich komplett auf sich selbst verlassen muss und an denen jede Entscheidung zählt. Diese Mischung aus Naturgewalt, Einsamkeit und Herausforderung ist für mich pure Magie.
Gefolgt wird das Ganze von Island die perfekte Kombination aus rauer Natur, wechselndem Wetter und endlosen Schotterpisten. Genau solche Länder ziehen mich an: wild, unberechenbar und einfach echt.
Was würdest Du Dir selbst raten, wenn Du jetzt mit dem Motorradfahren beginnen würdest?
Drei Tipps die ich mir als fahranfänger geben würde:
- mach Fahrtrainings
- habe Mut
- vertraue dir selbst

Warum sollte Frau Motorradfahren?
Ich finde, jede Frau sollte Motorradfahren, weil es ein Gefühl gibt, das man sonst kaum irgendwo bekommt: echte Eigenständigkeit. Du triffst Entscheidungen selbst, meisterst Situationen selbst und spürst, wie viel Kraft eigentlich in dir steckt auch wenn du vorher gar nicht wusstest, dass sie da ist.
Motorradfahren zeigt dir, dass du nicht ‚stark wirken’ musst, sondern dass du es automatisch wirst. Es ist Freiheit, Unabhängigkeit und ein Stück Selbstbestimmung, das dir niemand schenken kann, man erarbeitest es sich.
Außerdem öffnet es Welten: Menschen nehmen dich anders wahr, Türen gehen auf, und du findest eine Verbundenheit mit Natur, Elementen und dir selbst, die schwer zu beschreiben ist. Motorradfahren ist kein Lifestyle für Männer, es ist ein Raum, den Frauen genauso füllen können. Und wenn sie es tun, verändert es vieles: im Außen und vor allem im Inneren.

Ist da noch etwas, was Du unseren Leserinnen gern mitteilen möchtest?
Mein Rat an alle Frauen: Traut euch, macht euer Ding, spürt die Freiheit und geht auch mal Risiken ein. Jeder Kilometer auf zwei Rädern stärkt euch, öffnet Türen zu neuen Welten und zeigt euch, wie viel Kraft und Selbstbestimmung in euch steckt. Egal ob Anfängerin oder erfahrene Fahrerin – genießt die Reise, lernt, fühlt und lebt euer Abenteuer.
Denn das unmögliche ist möglich!
Vielen Dank, dass ich meinen Teil zu eurem Magazin beitragen durfte. Das bedeutet mir wirklich viel. Und ich hoffe, dass meine Geschichte vielleicht die eine oder andere dazu inspiriert, sich zu trauen, aus der Komfortzone herauszugehen und ihr eigenes Abenteuer zu leben

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