Franziska – Ich entscheide wo es hingeht

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Franziska mit ihrer BMW F650 GS Dakar in Bolivien.

Hallo, wie ist Dein Name bitte? Franziska
Und wie alt bist Du? 37 Jahre
Was ist dein Job? Sorry, das ist so ‘ne typisch deutsche Frage… Ist es wichtig zu wissen, was eine Person beruflich macht? Anyway, im Moment arbeite ich eher wenig, da ich am Reisen bin. Wenn es sich ergibt, mache ich online Übersetzungen von Deutsch zu Englisch oder schreibe Artikel für ein englischsprachiges Motorradmagazin.
Seit wann fährst Du Motorrad? Seit 10 Jahren

Wie und warum bist Du zum Motorradfahren gekommen?

Eigentlich wollte ich schon damals mit dem Auto-Führerschein meine Lizenz für das Motorrad machen, konnte den Wunsch aber aus finanziellen Gründen leider nicht erfüllen. Es hat dann fast 10 Jahre gebraucht, dass Er doch noch auf einem anderen Kontinent wahr wurde.
Ich habe damals in Sydney, Australien mit meinem Freund gelebt. Der fuhr leidenschaftlich gern Motorrad und es hat nicht lange gedauert, bis das Mitfahren auf dem Rücksitz nicht mehr ausreichend war. Mir wurde langweilig, bin oft eingeschlafen und irgendwie fehlte mir die Teilhabe. Also entschloss ich mich, meinen Führerschein zu machen und mein eigenes Motorrad zu fahren. Das war die beste Entscheidung überhaupt.

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Franziska mit ihrer Suzuki DR 650 in Mexiko.

Welches Motorrad fährst Du?

Momentan fahr ich eine Suzuki DR650 und ich liebe sie. Es ist das perfekte Reisemotorrad mit genug Power, um auch auf den Schnellstraßen komfortabel unterwegs zu sein. Das Motorrad ist sehr geländegängig für die Wege ohne Asphaltierung und obendrauf noch recht leicht für eine einfache Handhabe. Ich hab viel Spaß mit ihr.

Was bedeutet Dir Motorradfahren heute?

Es klingt vielleicht ein wenig abgegriffen, aber Motorradfahren bedeutet für mich Freiheit. Wenn ich unterwegs bin, entspanne ich komplett. Genieße die Landschaft, wie Sie an mir vorbeizieht und mein ganzer Fokus liegt auf dem Motorradfahren.
Es ist zugleich aber auch Herausforderung. Wo liegen meine Grenzen und kann ich die noch weiter hinausschieben. Wo stehe ich im Hier und Jetzt.
Hinzu kommt ein Gefühl der Unabhängigkeit, ich entscheide wo es hingeht oder auch ob ich mich bewusst treiben lasse und einfach der Nase nach fahre.

Was bewunderst Du an anderen?

Das ist eine ziemlich breit aufgestellte Frage und irgendwie auch situationsabhängig.

Ich bewundere, wenn Menschen über sich hinauswachsen. Dinge erreichen oder überwinden, die aussichtslos erscheinen.
Menschen, die egal was kommt, ihre Lebensfreude beibehalten. Das Glas sollte immer halb voll, anstatt halb leer sein.
Und letztendlich Menschen mit Mitgefühl und Selbstlosigkeit. Geben ist besser als nehmen.

Was war Deine größte Herausforderung bisher?

Das ist schwierig zu sagen, ich hab verschiedene Herausforderungen gehabt. Zum einen sich ein Leben in einem anderen Land aufzubauen, allein mit dem Motorrad am Rande der Zivilisation zu fahren oder neue Dinge, wie z.B. Sprachen, zu lernen. Das alles fordert dich auf unterschiedliche Art und Weise. Du hast Momente wo du frustriert bist und es ist nicht immer einfach, aber irgendwie meistert man es doch.

Meine größte Herausforderung als Fahrerin war bis jetzt zweifelsohne die Lagunas Route im Süden Boliviens. Allein auf dem Hochplateau (bis 5000m) unterwegs zu sein, keine Menschenseele zu sehen und völlig auf mich angewiesen zu sein, war eine Achterbahn der Gefühle. Am Ende gab es keine Beifallsstürme oder Lobpreisungen, es war ein stiller Moment mit Stolz erfüllt und begleitet von einem unsagbaren Glücksgefühl.

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Franziskas Gescichten handeln vom Umfallen und wieder Aufsteigen. Nur das gibt Routine und nimmt die Angst.

Gab es schon Mal eine brenzlige Situation?

Brenzlig Situationen beim Fahren gab es einige. Auch hab ich jede Menge Stürze hinter mir, was abseits der asphaltierten Straßen schnell passiert.

An meinen ersten Sturz erinnere ich mich immer noch am besten. Etwa einen Monat nach meinem bestandenen Führerschein bin ich in der Kurve gestürzt, mein Fuß war unter der Maschine eingeklemmt und das hat so ziemlich alle meine Bänder im Knöchel zerrissen. Ich brauchte neun Wochen, bis ich wieder ohne Krücken laufen konnte. Nach so langer Zeit wieder auf das Motorrad zu steigen, ist mir unendlich schwer gefallen. Aber Aufgeben tue ich prinzipiell nicht so leicht. Gelernt hab ich daraus, wenn es dich hinschmeißt, falls möglich, direkt wieder aufzusteigen und weiterzufahren. Plus, Schutzkleidung ist unverzichtbar.

Im Gelände gehören Stürze dazu, gerade am Anfang fällt man oft, aber daran wächst man auch. Man lernt besser zu fallen und dann ist es auch nicht mehr so eine große Sache. Sand und Schlamm machen mir manchmal immer noch Probleme, denn ich fahre leider ohne Lenkungsdämpfer (die Reisekasse hat es nicht hergegeben). Da muss man halt vom Gas gehen und es langsamer angehen.

Wichtig ist, man sollte aus seinen Stürzen lernen. Was ist schiefgegangen und wie kann ich es nächstes Mal vermeiden? Und mit der Zeit werden die Umfaller weniger.

Was war Dein schönstes Erlebnis?

Das war zum einen die schon erwähnte Lagunas Route und zum anderen eine Tour in der Mongolei. Beide Orte bestechen durch ihre wilde, menschenleere Schönheit. Man fühlt sich berauscht und zugleich ganz ruhig. Alle Sinne sind geschärft. Einmalige Momente, die unvergesslich sind.

Wo oder welche Strecke würdest Du gern einmal fahren?

Im Moment bin ich in Zentralamerika unterwegs, weil ich das Spanisch weiter vertiefen möchte und ich neugierig auf die zentralamerikanischen Länder bin. Aber hinsichtlich des Motorradfahrens reizen mich die atemberaubenden Landschaften des Irans und Zentralasiens. Vielleicht eine Herausforderung für die Zukunft.

Was würdest Du Dir selbst raten, wenn Du jetzt mit dem Motorradfahren beginnen
würdest? Drei Tipps aus Deiner persönlichen Erfahrung?

  • Aller Anfang ist schwer, hab Geduld. Erfahrung braucht Zeit und lässt sich nur über die gefahrenen Kilometer erlangen.
  • Es gibt keine Frauenmotorräder, auch kleine Leute können Enduros fahren.
  • Mach dich mit dem Motorrad vertraut und warte es selber. Es ist leichter als du denkst, spart dir viel Geld und gibt dir Selbstvertrauen und Unabhängigkeit als Fahrer.

Warum sollte Frau Motorradfahren?

Aus Spaß an der Freude. Entweder man entdeckt eine Leidenschaft fürs Fahren oder nicht, ganz gleich ob Mann oder Frau.

Franziska veröffentlicht ihre Stories auf Instagram. Hier geht es zu “Her Road stories”.

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