Off Road Südafrika – Schmutz, Spaß und Schotterpisten

Wenn ich das kann, dann kann ich alles!

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In Südafrika heisst es für mich "Auf die Plätze, fertig ... Off-Road!". Eine 700er GS von BMW ist hier durchaus opportun.

Im Oktober 2017 fuhr ich mit vier englischen Freunden für drei Wochen mit dem Motorrad durch Südafrika. Die Tour führte von Johannesburg einmal quer durch die Halbwüste der Kleinen Karoo, in das Bergkönigreich von Lesotho, dann weiter nach Kapstadt, auf der Garden Route an der Küste entlang, und schließlich nach einem Abstecher nach Swasiland in den Krüger Nationalpark und zurück zum Ausgangspunkt. Es war eine epische Tour, reich an Begegnungen und unterschiedlichsten Eindrücken. Eine der großartigsten Erlebnisse war es jedoch, zum ersten Mal dem Asphalt auf Wiedersehen zu sagen und Erfahrungen off-road auf Schotterpisten zu sammeln.

Weites Land, der Boden hart gebacken von der grellen Sonne Afrikas, die Sträucher und Büsche sind knorrig und von den heißen Winden und der Trockenheit gebeugt. Die Berge am Horizont verschwimmen in der flimmernden Hitze. Der Himmel ist blau und die Sonne scheint hell. Keine Spur von Menschen oder Tieren um mich herum. Ich bin allein auf dieser Straße.

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Schotterpiste voraus. Jetzt geht das Off-Road-Abenteuer in Südafrika richtig los.

Straßen? Das sind Schotterpisten!

Die R 701 ist als Nationalstraße ausgewiesen. Im Gegensatz zu dem glatten Asphalt, der den Großteil des südafrikanischen Straßennetzes bedeckt, ist sie jedoch unbefestigt. Die Route führt über eine Entfernung von 70 Kilometer von Hobbhouse nach Smithfield in der Provinz Free State, die sich direkt im Herzen Südafrikas befindet. Die Piste ist ziemlich breit und in vielen Abschnitten schnurgerade. Wo die Erde von Fahrzeugen, die eindeutig schwerer waren als meine GS 700, zusammengeschoben und verdichtet wurde, formen harte, hubbelige Bodenwellen den Unterbau. Darüber liegt teilweise scharfkantiges Geröll und Steine, die etwa so groß wie meine Hand sind. An einigen Stellen bedecken sie nur als dünne Schicht den staubigen Boden. An anderen Stellen ist der Schotter knöcheltief.

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70 Kilometer Schotter. Da kommt Freude auf! Aber so genißet am besten ein weites Land unter weitem Himmel.

Keine Angst vor Abenteuern

Es ist das erste Mal das ich mit dem Motorrad auf etwas anderem als Asphalt unterwegs bin. Die Aussicht darauf, die nächsten eineinhalb bis zwei Stunden auf Schotterpisten zu verbringen, lässt das Herz unter meiner Jacke heftig schlagen. Meine Kehle fühlt sich trocken an, meine Hände in den Lederhandschuhen sind trotz der Hitze kalt. Joe, dem Besitzer von Due South Motorcycle Tours und Führer meiner Gruppe, ist meine Nervosität nicht entgangen. „Wenn Du willst, kannst Du die Schotterpisten umfahren. Es gibt eine Asphaltstraße, die außen herum führt, und Dich am anderen Ende zurück zur Gruppe bringt“, bietet er an. Ich schüttele den Kopf. Schließlich bin ich nach Südafrika gekommen, um ein Abendteuer zu erleben. Da kann ich unmöglich in dem Moment, wo tatsächlich eines von außen an meinen Helm klopft, einen Rückzieher machen.

Wir halten am Beginn der Piste an, um Wasser zu trinken und ein paar Tipps zu bekommen. „Lasst es locker angehen, fahrt so, wie es für Euch passt, geht aus dem Sitz und nehmt Gewicht von den Reifen, versucht nicht, mit dem Motorrad zu kämpfen, sondern lasst es sich seinen Weg durch den Schotter suchen. Versucht, sanft zu lenken, und geht möglichst nicht zu hart in die Bremsen. Immer schön gleichmäßig fahren … und dabei nicht vergessen, Spaß zu haben!“ Joes Ratschläge klingen ziemlich simpel. Und dennoch, als ich den Schlüssel im Zündschloss drehe, dreht sich auch mein Magen und formt sich zu einem großen, nervösen Knoten.

Und dann passiert es … In dem Moment, in dem die Reifen in Kontakt mit der Schotterpiste geraten, kann ich spüren, wie die GS sich sicher und selbstbewusst durch die rutschende Steinschicht bewegt. Ich bleibe im ersten Gang und gebe so gut wie kein Gas, aber das Motorrad nimmt trotzdem ordentlich Fahrt auf. Zu meinem eigenen Erstaunen gelingt es mir, mich zurückzulehnen und zu entspannen. Zurücklehnen? Nee, aufstehen! Ich stelle mich auf die Fußrasten, beschleunige ein bisschen und überrasche mich wohl am meisten selbst damit, dass ich auf einmal anfange, die anderen zu überholen. Ich fange an zu kichern, dann lache ich laut unter meinem Helm. Die Spitze halte ich nicht lange, denn auch meine Freunde steigern ihr Tempo.

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Der Ritt durch die karge Landschaft Südafrikas fasziniert und ist eine Erinnerung, die bleibt.

Schmutziger Spaß auf Schotterpisten

Die Straße vor uns ist auf einmal von einer dicken Schicht aus Erde bedeckt. Die Südafrikanische Straßenbaubehörde setzt hier wohl so eine Art Erneuerungsmaßnahme um. Die Arbeiten sind in vollem Gang. LKW kippen Massen von Erdreich auf den Schotter, Arbeiter sprühen Wasser darüber, Bulldozer schieben die Mischung zu einer schlammigen Masse zusammen. So entstehen eben Schotterpisten. Der Offroad-Fahrer dankt. Wegen einer Kurve können wir nicht erkennen, wie weit die Baustelle geht und welche Überraschungen uns sonst noch so erwarten. Joe überholt uns und macht sich auf den Weg, die Piste zu erkunden. Einige Minuten später ruft er an und gibt grünes Licht. Die Arbeiten dauern nur ein paar hundert Meter an, die Strecke ist schlammig, aber befahrbar, und die LKW-Fahrer wissen, dass wir kommen und werden uns vorbei lassen.

Weiter geht’s. Wir rutschen und schlittern durch den Matsch, schlammiges Wasser spritzt in hohem Bogen auf. Ich spüre mein Hinterrad einige Male unter mir wegrutschen, aber schaffe es, die GS gerade und auf Kurs zu halten. Die Straßenarbeiter beobachten uns, als wir an ihnen vorbei glitschen und zeigen uns den Daumen hoch. Die ganze Sache dauert nicht lange, aber es reicht, um das Grinsen in meinem Gesicht noch größer werden zu lassen. Ja, ich glaube, ich könnte mich wirklich an diese Art des Fahrens gewöhnen.

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Auch in Südafrika gilt: Je schmutziger das Bike, desto glücklicher die Fahrerin. SHE is a RIDER

Pferdestärken hoch zwei

Nach der Baustelle geht es wie gehabt auf der Schotterpiste weiter. Meine Freunde fahren sportlich voraus, ich folge ihnen in meinem eigenen Tempo. Zwei Männer auf Pferden kommen mir auf dem Grasbankett an der Seite entgegen. Ich lasse viel Platz, als ich an ihnen vorbei fahre, aber vielleicht nicht genug. Ein drittes Pferd, das sie an einer Leine hinter sich herführen, reißt sich plötzlich los. Vielleicht hat es sich vor dem Motorengeräusch erschreckt, vielleicht war ihm auch nur langweilig, wer weiß das schon. Auf jeden Fall galoppiert es plötzlich genau auf mich zu. Ich bremse so stark, wie ich es mir auf dem losen Untergrund zutraue, und schaffe es gerade noch vor dem Tier zum Stehen zu kommen. Mein Herz schlägt mir bis in den Hals. Aber trotz der Adrenalinwelle, die in diesem Moment durch meinen Körper rauscht, kann ich nicht umhin, dieses wunderschöne Wesen vor mir zu bewundern. Während es an mir vorbei und auf und davon läuft, bringt die Sonne sein hellbraunes Fell zum Leuchten, lässt es golden schimmern. Seine fast weiße Mähne und der Schwanz fliegen im Wind. Es ist ein Bild der Freiheit und reinen Freude, mit dem ich mich in diesem Moment hundertprozentig identifizieren kann.

Ich kann das!

Wieder unterwegs bringt mich der afrikanische Himmel zum Schwärmen. Seine Farbe ist so intensive, ein stechendes Blau, das ich noch nirgendwo auf meinen Reisen so erlebt habe. Schier endlos und hoch spannt er sich über die trockene Landschaft, bis er in einiger Entfernung auf die Berge von Lesotho trifft. Ich halte an und sehe mich um. Mir ist, als könnte ich vor Freude platzen. Es ist dieses Gefühl, das sich nur einstellt, wenn man zur absolut richtigen Zeit am absolut richtigen Ort ist und es nichts, absolut nichts gibt, was man ändern wollen würde. Und ein Gedanke schießt mir in den Kopf: Ich fahre off-road Motorrad in Südafrika. Wenn ich das kann, dann kann ich alles, was ich mir von nun an vornehme. Und ich weiß einfach, dass dieser Gedanke mich auch nach dem Ende der Reise noch lange begleiten wird.

An der Kreuzung angekommen, an der die Schotterpiste wieder auf die Asphaltstraße trifft, hole ich meine Freunde und Joe wieder ein. Als ich meinen Helm abnehme, blicken mich alle gespannt an. Ich grinse wortlos zurück, und in ihren Augen kann ich das gleiche Funkeln sehen, das sie auch in meinen wahrnehmen. Wir gratulieren uns gegenseitig dazu, dass wir die Schotterpiste nicht nur überstanden, sondern sie richtiggehend genossen haben.

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Weiter geht’s … Für Off-Road-Spaß ist die Yamaha XT 600 nicht nur in Südafrika eine gute Alternative.

Seit diesem Tag habe ich noch einige weitere Geländetouren gemacht, sowohl in Südafrika als auch zurück zu Hause. Aber diese erste Fahrt über Schotterpisten, dieses erste off-road Erlebnis, ist eine Erinnerung fürs Leben.

Wenn Du auch durch Südafrika und über Schotterpisten fahren möchtest kannst Du Dich hier inspirieren lassen.

Über die Autorin:

Diana lebt mit ihrem Mann in Bloubergstrand an der wunderschönen Tafelbucht. Die Liebe und ihre Leidenschaft zum Motorradfahren führten sie von Deutschland nach Südafrika, wo sie den täglichen Blick auf Kapstadt und den Tafelberg genießt, wenn sie nicht auf Motorradtour ist. Zusammen mit ihrem Mann Joe betreibt sie Due South Motorcycle Tours und führt insbesondere deutschsprachige Motorradreisen durch Afrika. Zur Motorrad-Reisereporterin wurde Diana durch SHE is a RIDER, das deutschsprachige Motorradmagazin für Frauen. Mehr Motorrad-Geschichten von und mit Diana findest du auf SHEisaRIDER.de unter Motorradtouren & Events.

Due South Motorcycle Tours Südafrika
Due South Motorcycle Tours Südafrika mit Diana und Joe
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