Heather – Wenn Du alleine reist, gibt es keine Ablenkungen

Heather Ellis-Ubuntu-Afrika-Yamaha
Heather hat über Ihre Abenteuer in Afrika ein Buch geschrieben - Ubuntu.

Dein Name: Heather Ellis
Wie alt bist Du? 54
Was ist Dein Job? Autor, Freelance-Journalistin und Abenteurerin. Ich bin von 1993 bis 1997 auf einer Yamaha TT600 durch Afrika und Zentralasien gefahren
Seit wann fährst Du Motorrad? Seit meinem achten Lebensjahr.

Wie und warum bist Du zum Motorradfahren gekommen?

Mein erstes Motorrad war eine Honda Z50 Mini-Bike. Ich war acht Jahre alt und lernte fahren, als ich auf der Schaffarm meines Onkels und meiner Tante im Outback Australiens lebte. Meine Eltern waren dort, um Opal zu schürfen. Zusammen mit meinem Bruder und vier Cousinen hüteten wir die Schafe. Wir parkten unsere Mini-Bikes vor dem Schulhaus und fuhren in der Mittagspause. Wir lebten quasi auf diesen Mini-Bikes und hier entwickelte sich meine Liebe zum Off-Road-Motorradfahren und mein Talent, in sehr sandigem Gelände zu fahren. Das waren die gleichen Bedingungen, auf die ich zwanzig Jahre später gestoßen bin, als ich mit einer Yamaha TT600 alleine durch Afrika fuhr.

Welches Motorrad fährst Du?
Warum hast Du diese Maschine gewählt?

Ich fahre drei Motorräder.
Meine Straßenmaschine ist eine Triumph Thruxton 900. Ich liebe dieses Bike, weil es sich genau so gut zum Pendeln durch den Straßenverkehr eignet, wie für eine schnelle Fahrt auf Bergstraßen und für Wochenendtouren. Es ist kraftvoll, griffig und sieht schön aus. Es ist auch einfach zu warten. Ich habe dieses Motorrad im Jahr 2013 neu gekauft und hatte nie Probleme damit. Ich habe die Hinterradaufhängung von Ohlin eingebaut, die diesem Motorrad ein hervorragendes Handling und Komfort verleiht.

Für Off-Road-Fahrten nutze ich immer noch meine Yamaha TT600. Das gleiche Motorrad, mit dem ich durch Afrika getourt bin, in London Motorrad-Kurier war und über die Seidenstraße von London durch China nach Hanoi gefahren bin. Dieses Motorrad ist mein lieber alter Freund und wenn wir am Wochenende zusammen auf bewaldeten Wegen unterwegs sind, sind wir eins.

Mein drittes Motorrad ist meine liebe alte Moto Guzzi V50. Sie ist eine große alte Dame und steht meistens in meinem Schuppen. Aber es gibt nichts Schöneres als im Stadtverkehr zu fahren und mit dem alten Mädchen durch die Rushhour zu cruisen. Sie fährt sich auch sehr agil durch enge Bergkurven und lässt die meisten Sportmotorräder leicht hinter sich.

Hether Ellis-Triumph Thruxton
Heather Ellis und ihre Triumph Thruxton 900. Ihre Bike-Wahl für Stadt, Straße und Tour.

Was bedeutet Dir Motorradfahren heute?

Für mich ist Motorradfahren eine Erweiterung meines Körpers. Es ist ein Teil von dem, was ich als Person bin. Ich liebe die Freiheit auf der offenen Straße, die Möglichkeit, in die Berge zu flüchten und die Fähigkeit, sich im Stadtverkehr schnell und einfach zu bewegen. Bei mir in Victoria, Australien, dürfen Motorräder auf dem Bürgersteig geparkt werden. Ihr könnt Euch vorstellen, wie wunderbar das ist!

Was bewunderst Du an anderen?

Ich bewundere, wie viele Frauen heute Motorrad fahren und wie viele allein unterwegs sind. Viele starten auf dem Motorrad in ihr persönliches Abenteuer. Als ich von 1993 bis 1997 mit meiner Yamaha TT600 unterwegs war, traf ich nur eine Frau, die alleine unterwegs war. Eine Japanerin auf einer Suzuki 250.

Heather Ellis-Kenia-Yamaha-Suzuki
In den 90ern waren nur wenige Frauen auf dem Motorrad in Afrika unterwegs.

Was war Deine größte Herausforderung bisher?
Wie hast Du Sie gemeistert und wie hat das Dein weiteres (Biker)Leben beeinflusst?

Meine größte Herausforderung war es, den ersten Schritt zu tun, um mit meinem Motorrad allein durch Afrika zu fahren. Als ich meine Reise begann, war alles in Ordnung. Ich habe so viel Selbstvertrauen gewonnen, dass jetzt keine Herausforderung mehr zu groß ist.

Auf meinen Reisen durch Afrika erhielt ich immer Hilfe von den Einheimischen, oft in den schwierigsten und hoffnungslosesten Situationen. Diese Philosophie von “Alles wird immer funktionieren und alles geschieht aus einem bestimmten Grund” wurde zu einem zentralen Mantra meiner Reise. Ich brauchte es nur zulassen.

Wenn Du alleine reist, gibt es keine Ablenkungen und ich begann, nach Sinn in den Zufällen und Begegnungen zu suchen, die mir auf meinem Weg widerfuhren. Ohne einen anderen zu fragen: “Soll ich diesen oder jenen Weg gehen, dies oder jenes tun”, verließ ich mich auf meine Intuition, um alle meine Entscheidungen zu treffen. Heute lebe ich mein Leben immer noch so.

Ich sehe Sinn in diesen Begegnungen und Zufällen, und auch Bestätigung im Vertrauen auf meine Intuition. In etwa so wie von einer ‘universellen Energie’ oder etwas anderem geleitet zu werden, die mir hilft, meine Ziele und Träume zu erreichen.

Gab es schon Mal eine brenzlige Situation? Was war es und wie hast Du reagiert?

Ja, mehrmals …

Ich verirrte mich in der Wüste im Norden Kenias, als ich einen Umweg machte, um nach Saphiren zu suchen. Ich hatte einen Führer, einen Mann aus Somalia, mit mir als Sozius. Ich wollte die versteinerten Fußabdrücke unserer Vorfahren sehen und wurde gebeten, einen Führer mitzunehmen, da diese Gegend sehr abgelegen ist.

Wir haben uns acht Tage lang verirrt, hatten kein Wasser und kein Essen mehr, aber mein Führer kannte die bewaffneten Banditen, die uns fanden und uns halfen. Obwohl dies eine gefährliche Situation war, fühlte ich mich nie bedroht.

Während meiner vierjährigen Reise mit dem Motorrad befand ich mich oft in potenziell gefährlichen Situationen, aber es ist nie etwas Schlimmes passiert. Ich fand, dass die Menschen im Wesentlichen gut sind und da ich allein auf einer so langen und schwierigen Reise war, wollten sie mir immer helfen. Sie haben mir z.B. einen Platz zum Schlafen angeboten oder Mahlzeit.

Was war Dein schönstes Erlebnis?

Eine Reise durch das ehemalige Zaire (Demokratische Republik Kongo). Ich wollte in den Ruwenzori-Berge wandern und Zeit bei den Berggorillas verbringen und 23 Tage lang den Zaire-Fluss hinunterfahren, eine der beeindruckendsten Flussreisen der Welt. Zaire ist ‘echtes Afrika’ und hat dem Reisenden so viel zu bieten: Kultur, endlose Wälder, Wildtiere, Berge und vieles mehr.
Ich hoffe sehr, dass sich die Lage im Kongo wieder beruhigt und es für das Volk und für den Touristen wieder sicher sein wird, durch dieses wunderschöne Land zu reisen.

Mein anderer Lieblingsort ist Kirgistan, das Königreich der Nomaden und der himmlischen Berge. Hier kann man auf einigen der besten (Motorrad)straßen der Welt fahren.

Heather Ellis-Samarkand-Seidenstraße-Usbekistan
Heather Ellis in Samarkand, Usbekistan, während ihrer Tour über die Seidenstraße.

Wo oder welche Strecke würdest Du gern einmal fahren? Warum reizt Dich das?

Südamerika. Ich habe Amerika noch nicht erkundet und freue mich darauf, mit meiner treuen alten Yamaha TT600 durch die Länder Süd-, Mittel- und Nordamerikas zu fahren. Südamerika ist eine Region mit einer so vielfältigen und farbenfrohen Kultur und einer spektakulären Landschaft.

Was würdest Du Dir selbst raten, wenn Du heute mit dem Motorradfahren beginnen würdest?
Drei Tipps aus Deiner persönlichen Erfahrung?

  • Ständige Aufmerksamkeit und Erweiterung bzw Training des peripheren Sehvermögens.
  • Grundsätzlich immer Schutzausrüstung tragen!
  • Wartung und Pflege Deines Motorrads. Immer den Reifendruck checken.

Je mehr Du fährst, desto besser wirst Du. Also, fahre so oft es geht. Motorradfahren erfordert ein ständiges Bewusstsein für mögliche Gefahren. Wenn Du an nassen Tagen fährst, solltest Du darauf achten, dass die Straßen rutschig sind, besonders nach einer längeren Trockenzeit, wenn sich Kraftstoffablagerungen gebildet haben.
Trage gute Schutzkleidung!
Wenn Du ein paar Wochen nicht gefahren bist, haben die Reifen an Druck verloren. Halte Dein Motorrad einschließlich der Kette sauber.

Warum sollte Frau Motorradfahren?

Motorradfahren gibt Dir Freiheit, stärkt Dein Selbstvertrauen und eröffnet Dir eine ganz neue Welt mit gleichgesinnten Freunden. Es gibt nichts besseres als das Gefühl des “mit sich selbst sein’s”, das Du beim Motorradfahren bekommst.

Heather Ellis hat ihre Abenteuer in zwei Büchern beschrieben, die in englischer Sparache verfügbar sind (Stand August 2018):

  • Ubuntu: One Woman’s Motorcycle Odyssey Across Africa
  • Travels On The Silk Road: One Woman’s Search For Salvation (Erhältlich ab 2019)

Weitere Infos zu Heather Ellis findest Du hier.

 

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