Versya – Was zwei Männer mit Tross können, kann ich auch alleine

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Versya auf ihrer KTM auf dem Erzbergrodeo. Bild: sportograf.

Dein Name: Versya
Wie alt bist Du: 51
Was ist Dein Job: IT-Leitung bei einem großen Infrastruktur-Betreiber in Österreich.
Seit wann fährst Du Motorrad: Seit 1985, und mit kinderbedingter längerer Abstinenz, wieder intensiv seit 2009.

Wie und warum bist Du zum Motorradfahren gekommen?

Ich habe einen technischen Beruf erlernt und habe schon zur Schulzeit für den Schulweg ein Fortbewegungsmittel gesucht. So bin ich vom Fahrrad auf ein Moped umgestiegen. Nach dem das sehr viel Spaß gemacht hat und viel Freiheit erlaubt hat, war der nächste logische Schritt der Motorrad-Führerschein und ein eigenes Motorrad.

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Versya an Versys … gelehnt.

Welches Motorrad fährst Du? Warum hast Du diese Maschine gewählt?

Ich fahre eine Kawasaki Versys 650, BJ 2007. Ich wollte eine agile Maschine, die auch für weitere Strecken geeignet ist. Und das Preis – Leistungs Verhältnis der Versys war unschlagbar. Ich besitze aber auch eine KTM EXC 200, eine 2-Takt Enduro, mit der ich im Gelände und bei Enduro Wettbewerben fahre.

Was bedeutet Dir Motorradfahren heute?

Freiheit und Unabhängigkeit, daran hat sich seit den ersten Jahren nichts geändert. Zusätzlich bietet Motorradfahren die Möglichkeit sich vom Alltagsleben zu lösen und sich auf die Straße und die 8cm zwischen Straße und Reifen zu konzentrieren. Es ist hier kein Platz für abschweifende Gedanken. Das würde mein Fahrstil auch nicht zulassen. Frau fährt im hier und jetzt.
Ich lerne dank WIMA (Womens International Motorcycle Association) viele Länder per Motorrad kennen und freue mich, wenn ich auf andere Motorrad-Fahrerinnen treffe, um mich mit Ihnen auszutauschen.

Was bewunderst Du an anderen?

Ich bin in den letzten Jahren am Erzbergrodeo mitgefahren. Mir flößen die Hänge dort ordentlichen Respekt ein, und ich bewundere alle, die unter die Top 500 im Prolog kommen und sich den Angriff auf den Berg zutrauen.

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Versya macht mit ihrer KTM EXC 200 gerne große Sprünge.

Was war Deine größte Herausforderung bisher?
Wie hast Du Sie gemeistert und wie hat das Dein weiteres (Biker)Leben beeinflusst?

Ich habe 2012 mit Motocross begonnen, weil ich meinem damals 12 Jährigen Junior auf diesem Weg einen Einstieg ins Motorrad fahren ermöglichen wollte. Irgendwie bin ich auf die Wahnsinnsidee gekommen, ich könnte doch auch beim Erzberg Rodeo mitfahren. Zwei Jahre später bin ich tatsächlich im Prolog gestartet und im hinteren Drittel der Frauenwertung gelandet. Im Jahr darauf unter die Top 5, knapp hinter den Profi Fahrerinnen.
Das Training für das Offroad Fahren hat mich wesentlich besser, auch auf der Straße, gemacht und konditionell hat es mir auch nicht geschadet. Auch habe ich mir durch das ganzjährige Endurotraining angewöhnt, mit dem Motorrad das ganze Jahr durchzufahren. Nur Tage mit Schneefall sind für mich ein absolutes No-Go.

Gab es schon Mal eine brenzlige Situation? Was war es und wie hast Du reagiert?

Ich war am Großglockner unterwegs, als ich von einem ausparkenden Auto während der Fahrt geschnitten wurde. Es stand quasi plötzlich quer vor mir auf der Fahrbahn!
Ich habe gebremst und, als ich gemerkt habe, dass es nicht reichen wird, ein Ausweichmanöver gestartet. Leider war es da bereits zu spät. An den Aufprall selbst kann ich mich nicht erinnern, diese Sekunde fehlt mir komplett. Ich bin dann halb am Lenker hängend, noch immer auf dem Motorrad, auf der Gegenfahrbahn gelandet, wo ich dann zum Fahrbahnrand ausgerollt bin und voll Adrenalin abgestiegen bin. Die rechte Seite des Motorrads war zerbeult, der Lenker und die Gabel verzogen, aber mein Bein wurde dank Reisekoffer nicht zwischen den beiden Fahrzeugen zerrieben. Das rechte Knie wurde beim Aufprall auf das Auto geprellt. Mehr ist mir dabei nicht passiert. Meine Schutzbekleidung hat perfekt funktioniert! Ich bin danach noch mit der Versys zum Hotel im Tal gefahren und das hat es mir wohl ermöglicht, auch heute noch zu fahren.

Es folgten zwei Jahre Prozess mit der Versicherung des Autofahrers, die mir nachträglich eine Teilschuld anlasten wollte. Gott sei Dank wurde ein für mich positives Urteil gefällt und auch der Einspruch abgewehrt.

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Den See auf Empfehlung gefunden … und die Sonne scheint. So zeigt sich Estland von seiner schönsten Seite.

Was war Dein schönstes Erlebnis?

An einem See in Estland zu stehen, den ich – nach einem Hinweis von Svenja (svendura.de) in ihrem Blog – gerne besuchen wollte und nach 2.700 km Anreise und dann noch 30 km Schotter- und Feldwege Fahrt, quer durch Wald -und Moor Gebiete, tatsächlich gefunden habe. Das war so ein schöner Platz und die Anreise wert! Vielleicht auch, weil das Wetter so perfekt war.

Wo oder welche Strecke würdest Du gern einmal fahren? Warum reizt Dich das?

Südafrika, entweder über die afrikanische Strecke von “Long Way Down”, oder auf der Route von Lois Pryce, in “Red Tape and White Knuckles”. Aber eher die Route von Long Way Down. Was zwei Männer mit Tross können, kann ich solo auch.

Was würdest Du Dir selbst raten, wenn Du heute mit dem Motorradfahren beginnen würdest?
Drei Tipps aus Deiner persönlichen Erfahrung?

  • Kauf Dir das Motorrad, das zu Dir passt! Es muss nicht hübsch sein, aber die Ergometrie, Gewicht und die Leistung muss zu Dir und Deinen Anforderungen passen. Mit einem gebrauchten Motorrad kannst Du gleich losbrausen, ein kleiner Kratzer tut nicht weh, und gestohlen wird es auch nicht so schnell.
  • Mach Dein Ding, lass Dich so wenig wie möglich von anderen beeinflussen. Bleib aber offen für gute Ratschläge, die Dich weiterbringen.
  • Fahren, fahren, fahren. Alleine, in kleinen Gruppen, auf Fahrsicherheitstrainings, idealerweise auch ab und zu Offroad. Nur so lernst Du es schnell und bekommst das nötige Selbstvertrauen, um mit Respekt, aber ohne Angst zu fahren.

Warum sollte Frau Motorradfahren?

Warum sollte sie nicht?

 

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