Nadine – Ladies, hört auf euer Herz

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Nadine wird Fahrlehrerin und bringt euch von Frau zu Frau bei, wie ihr euch ganz sicher euren Traum erfüllt.

Hallo, wie heißt Du bitte? Nadine
Und wie alt bist Du? 20
Was ist Dein Job? Angehende Fahrlehrerin der Klasse B/BE, später auch A
Seit wann fährst Du Motorrad? Seit 2016

Wie und warum bist Du zum Motorradfahren gekommen?

Als Kind hatte ich immer großen Respekt und auch Angst vor Motorrädern, besonders wenn mein Vater seine Maschine in der Tiefgarage gestartet hat.
Mein erster Freund und dessen Familie hatten das Benzin sozusagen im Blut und haben mich über die Jahre damit angesteckt. Angefangen von einer im Nachhinein lächerlichen „Probefahrt“ um vier Ecken, mit einer alten Vespa, bis hin zur 125er und dann zur großen Maschine.
Das Resümee nach sechs Jahren als Sozia: Ich wollte gar nicht mehr runter und habe mich jede freie Minute – auch bei Wind und Wetter – nach einer Tour gesehnt. Ab da stand für mich fest: ich will irgendwann einmal selbst Motorrad fahren.

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Nadine mit ihrer Kawasaki ER6n am Reschensee in Südtirol. So schön kann Pause sein.

Welches Motorrad fährst Du?

Ich habe mir eine Suzuki GSX600F gekauft. Berufsbedingt fahre ich aber ab und an noch eine Kawasaki ER6n und eine Z650.

Warum hast Du diese Maschine gewählt?

Ich lief meiner „Susi“ damals zufällig über den Weg und dachte mir: Wenn ich mit ihr fertig werde, werde ich auch mit allen anderen Motorrädern fertig“. Man muss dazu sagen, ich bin nur 1.60 m groß. Ich habe sie dann komplett auf mich angepasst, mit Tieferlegung und abgepolsterter Sitzbank.

Was bedeutet Dir Motorradfahren heute?

Wenn ich im Alltagstrubel mal freie Zeit für die schönste Nebensache der Welt finde, genieße ich jede Minute. Wenn ich an einem Sonntag vor habe zu fahren, wird an diesem Tag auch nichts anderes geplant. Es gibt nichts schöneres, als an fremden Orten anzukommen und sich die Zeit zu nehmen, diese auch zu erkunden und genießen zu können. Einfach da lang fahren, wo einen die Straßen hinführen und schon erlebt man die tollsten Dinge und entdeckt die schönsten Fleckchen Erde.

Was bewunderst Du an anderen?

Ich bewundere die Menschen, die Motorrad fahren nicht nur als Hobby sehen, sondern auch als eine Disziplin und mit viel Ehrgeiz bei der Sache sind. Die Menschen, die versuchen ihre Fähigkeiten stetig weiterzuentwickeln und neue Sachen zu erlernen.
Gerade die MotoGymkhana-Fahrer, welche die physikalischen Kräfte in niedrigen Geschwindigkeiten ausreizen, viel üben und auch mal Tiefschläge einstecken, bewundere ich sehr. Diese exakte Beherrschung von Arsch, Geist und Maschine beeindruckt mich am meisten.

Was war Deine größte Herausforderung bisher?

Meinen Traum vom Motoradfahren als Frau tatsächlich in Angriff zu nehmen. Und das, obwohl ich oft von Anderen gesagt bekommen habe, dass das keine gute Idee wäre, da Motorradfahren nicht für Frauen geeignet ist – vor allem nicht für kleine Frauen. Diese Thematik ist auch einer der Hauptgründe weshalb ich Fahrlehrerin werde.

Wie hast Du Sie gemeistert und wie hat das Dein weiteres (Biker)Leben beeinflusst?

Ich habe an meinem Traum festgehalten und mir viel Rat und Beistand von meinem Fahrlehrer geholt. Er hat mir viele Tipps mit auf den Weg gegeben und gezeigt, wie man am besten mit kurzen Beinen beim Motorradfahren in verschiedenen Situationen klar kommt. Jetzt habe ich eine Routine entwickelt, sodass ich mir beim Anhalten im Gefälle keine Gedanken mehr machen muss, sondern einfach nur noch „mache“.

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Nadine bezwingt mit der Kawasaki ER6n die Alpenpässe wie hier das Timmelsjoch – SHE is a RIDER!

Gab es schon Mal eine brenzlige Situation? Was war es und wie hast Du reagiert?

Ja, als ich das Stilfser Joch hochfahren wollte.

In einer Kehre habe ich ungewollt einen kleinen Gasstoß gegeben, was eine völlige Unruhe in das Bike und mich dann auch völlig aus dem Konzept brachte. Das Ende der Geschichte war, dass ich geradezu auf die Steinwand zugesteuert bin.
In der völligen Hektik, die Ausbrach, habe ich einfach die Kupplung gezogen, gebremst und versucht, mich auf meinen vorausfahrenden Mitstreiter zu konzentrieren und den Blick zu halten. Ich kam dann parallel zur Felswand zum Stillstand und habe mich erstmal ausgeruht und mächtig geflucht.

Was war Dein schönstes Erlebnis?

Im Motorradurlaub in Österreich und Italien die verschiedensten Pässe bezwungen zu haben und die einzigartige Landschaft in mich aufzusaugen.
Mein kleiner Touren-Tipp: Meran ist eine wunderschöne Stadt für eine Pause!

Wo oder welche Strecke würdest Du gern einmal fahren?

Ich würde gerne mal mit dem Motorrad nach Norwegen fahren und einmal über die Rennstrecke mit schleifenden Knien.

Warum reizt Dich das?

Norwegen soll eine wunderschöne Natur haben und die Rennstrecke … was einen ganz klassisch am Fahren auf der Rennstrecke eben alles reizt.

Was würdest Du Dir selbst raten, wenn Du heute nochmal mit dem Motorradfahren beginnen würdest?

Nicht stressen lassen und weiter machen, auch wenn einem manche Sachen am Anfang als ein Ding der Unmöglichkeit erscheinen und man nicht direkt alles versteht. Getreu dem Motto: es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.
Such dir am besten einen erfahrenen Tourenpartner, der mit dir Runden in deinem Tempo dreht. So vermeidest du unter Druck zu geraten und kannst dich ‚rantasten.

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Mit dem Motorrad über Passstraßen fahren. Das Timmelsjoch, eine Kawasaki ER6n und Nadine. Das kann so weitergehen …

Drei Tipps aus Deiner persönlichen Erfahrung:

  • Steige immer mit voller Aufmerksamkeit auf’s Bike und sei dir der Gefahr für dich bewusst, die von den Fehlern der Anderen ausgeht.
  • Übe stetig weiter. Nur eingeübte, routinierte und abgespeicherte Handlungs-Abläufe können dir auf Knopfdruck aus brenzligen Situationen heraushelfen.
  • Prinzipiell gilt: Geht nicht gibt’s nicht!
    Versuche wirklich alle Möglichkeiten auszuschöpfen, bevor du eine Sache als „geht nicht“ abhakst.

Warum sollte Frau Motorradfahren?

Motorradfahren ist viel zu schön, um es nur den Männern zu überlassen. Außerdem ist es tatsächlich ein Hobby, bei dem man so viel Erleben kann. Es gibt kein schöneres Gefühl, als wenn man mit seinem Partner oder eben ganz alleine, um den Kopf frei zu kriegen, mit dem Motorrad unterwegs ist.

Ladies traut euch! Egal wie alt ihr seid oder wo ihr herkommt: hört auf euer Herz. Es ist nie zu spät um sich ans Motorrad fahren zu wagen, solange Motivation, Spaßfaktor und das Gefühl dabei stimmen!

Du willst Motorradfahren lernen? Nadine und wir empfehlen unter anderem diese Fahrschule.

3 Kommentare

  1. Der Beitrag spricht mir aus der Seele. Ich darf seit letztem Jahr auch endlich fahren. Es war nicht leicht aber später mit eigener Maschine und neuem, mega verständnisvollen fahrlehrer trotz „nicht vorhandener Größe“ machbar.
    Auch wenn alle Welt meint Du bist mit 1,54m zu klein, Du bist ein Mädchen, oder reicht nicht auch ne 125…
    NEIN auch wir können und dürfen das fahren genießen!

  2. Tolle Idee , finde ich gut das ein Frau als Fahrlehrerin für A antritt ! Ich denke gerade für andere Frauen ist es entspannter, das bei einer anderen Frau absolvieren zu können da sich diese viel besser in Problem von neuen Fahranfängerinnen rein denken können . Ich bin auch für den Ausbau von Fahrtrainings von Frauen für Frauen.

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