Hannah – Mein Mann macht jetzt auch seinen Führerschein

Hannah auf der Honda Africa Twin - SHE is a RIDER
Hannah auf der Honda Africa Twin - SHE is a RIDER

Hallo, wie heißt du bitte? Hannah
Und wie alt bist du? Irgendwas um die 30. Na gut, 34.
Was ist dein Job? Ich bin Gründerin und Geschäftsführerin von CoWomen, dem ersten Coworking Space für Frauen in Deutschland.
Seit wann fährst du Motorrad? Seit ich 15 geworden bin.

Wie und warum bist du zum Motorradfahren gekommen?

Ich habe angefangen Motorrad zu fahren, weil mein erster Freund Motorrad gefahren ist. Und im nördlichen Ruhrgebiet war es ganz schön dörflich, sodass das Motorrad sehr praktisch war, um von A nach B zu kommen und nicht ewig Bus zu fahren. Aber schon meine Oma ist Moped gefahren: „Mit einem Ohr im Sand“, hat mein Opa immer dazu gesagt. Und auch mein Papa fuhr Motorrad, bis wir Kinder zur Welt kamen. Auch wenn es da noch nicht ein Teil meines Lebens war, habe ich es wohl irgendwie im Blut gehabt.

In Berlin mit dem Motorrad unterwegs.
In Berlin ist man mit einem Motorrad gut unterwegs – So auch Hannah.

Welches Motorrad fährst du? Warum hast du diese Maschine gewählt?

Ich fahre zur Zeit eine Yamaha R3 und eine Honda Africa Twin CRF1100 L. Zwei sehr unterschiedliche Motorräder – und ich liebe beide! Ich habe meine letzte Enduro nach gut zehn Jahren dann verkauft, als meine Söhne sehr jung waren. Ich dachte irgendwie, das sei richtig so, das mache man halt so. Ich war dann sehr unglücklich und mein Mann hat es dann auch nicht mehr ertragen. Dann habe ich mir einen kleinen Traum erfüllt und mir endlich eine Supersportler geholt, wenn auch eine sehr kleine mit der R3. Verdammt schnell ist sie trotzdem. Das war auch eher eine finanzielle Entscheidung. Als ich dann aber gemerkt habe, wie viel Freude es mir bereitet und dass ich neben der Familienzeit fast jede weitere freie Minute auf dem Motorrad war und auch wirklich damit größere Touren fahren möchte, war klar, dass es dieses Jahr noch eine Maschine sein muss, die dies leisten kann.

Ich habe innerhalb von drei Tagen dann sechs Probefahrten gemacht. Yamaha Tracer 700, Yamaha Tracer 900, die Ténéré 700, KTM Adventure 890, Triumph Tiger 900 GT Pro und eben die Africa Twin 2020. Und bei der wusste ich einfach „Das ist sie!“ Der Händler in Berlin war dann von meiner Schnelligkeit ganz schön überwältigt. In zwei Monaten bin ich dann am Feierabend und an einzelnen Tagen am Wochenende 2.000 km gefahren, war beim Sicherheits- und Kurventraining und plane schon einige viele Touren, und Tagesfahrten, die vor allem auf unbefestigten Straßen stattfinden sollen. Die fahre ich natürlich nicht allein.
Ich liebe die beiden Motorräder für genau das, was sie machen können und sollen. Ich sitze etwas mehr auf der Africa Twin, weil es dann doch bequem ist und ich länger fahre. Aber auf das Sportliche der R3 kann ich nicht verzichten.

Honda Africa Twin
Hanna auf Honda – Hier muss es die große Schwarze sein.

Was bedeutet dir Motorradfahren heute?

Motorradfahren ist gerade alles für mich und somit für meine Familie. Nach der Familienzeit natürlich. Meine Arbeit bietet mir zum Glück viel Flexibilität. Und mein Mann hat sehr viel Verständnis, er macht jetzt auch seinen Motorrad-Führerschein. Mal schauen, ob wir dann Schnick-Schnack-Schnuck machen müssen, um zu entscheiden, wer nun fahren darf. 😀
Motorradfahren ist für meine Gedanken oft ein Katalysator. Und ich lade damit meine Akkus auf eine besondere Art und weise auf, was ich durch nichts anderes schaffe, nicht durch Sport und nicht durch Entspannung.
Motorradfahren ist meine Freiheit, meine Ich-Zeit, mein Aufladen.

Was bewunderst du an anderen Motorradfahrern?

Wenn sie locker bleiben können und Gefahren gut einschätzen. Motorradfahren macht Spaß, wenn man ankommt, wenn man oben bleibt. Und an Grenzen gehen gehört auf die Rennstrecke und in Trainings. Wenn die Fahrer*innen dies trennen können, beeindruckt es mich.

Was war deine größte Herausforderung bisher?

Meine Herausforderung im Leben? Mit 18 hatte ich einen sehr schweren Autounfall und seither viele Operationen und eine Verschlimmerung meiner chronischen Erkrankung „Morbus Crohn“. Als ich damals Zuhause noch genesen musste, hat mein Vater draußen das Motorrad angemacht, damit ich es wenigstens hören kann. Eine Yamaha DT125, eine 2-Takter.
Nach meiner dritten OP saß ich dann nach 14 Tagen auf dem Motorrad, da war die 20 Zentimeter große Narbe auf meinem Bauch noch nicht mal verheilt. Meine Freunde mussten mir aufs Motorrad helfen. Da war ich 24, das würde ich heute nicht mehr machen.
Mit 27 kam dann noch Epilepsie dazu. Da durfte ich ein ganzes Jahr lang kein Motorradfahren. Der Kontrollverlust der Anfälle und die damit einhergehenden Ängste waren schlimmer als die Erfahrungen davor. Auch letztes Jahr, nach längerer Fahrpause, kamen plötzlich Panikattacken während der Fahrt – auf der linken Spur der Autobahn bei 160 km/h „Was, wenn ich jetzt einen Anfall bekommen würde?“ Damit umzugehen und total in mich zu gehen, das ist eine beeindruckende Erfahrung und erfordert viel Ruhe und Geduld. Zwei Eigenschaften, die mir nicht unbedingt innewohnen. Mittlerweile habe ich das kaum noch und Motorradfahren ist wieder schön entspannt und entspannend.

Yamaha R3
Hannah mit der sportlichen Yamaha R3

Gab es schon Mal eine brenzlige Situation? Was war es und wie hast du reagiert?

Ja…ab und an. Als Jugendliche bin ich zwei Mal gestürzt, aber weil wir uns unsterblich gefühlt haben und auf dem Motorrad stehend gefahren sind und ähnliches. Ich mache jedes Saison und mit jedem neuen Motorrad mindestens ein Training und empfehle es allen! Mal mit 100km/h eine Gefahrenbremsung machen, das kostet zuerst schon Überwindung und dann tut es sehr gut zu sehen, was das Motorrad kann. So richtig brenzlige Situationen aus den letzten Jahren fallen mir nicht mehr ein.

Was war dein schönstes Erlebnis?

Im Leben? Da gab es einige … zum Glück. Ich habe als Jugendliche ein Schuljahr in Mexiko verbringen dürfen, ich durfte Motorradfahren, ich habe meinen Mann auf dem Fernsehturm in Berlin geheiratet, wir haben zwei gesunde Söhne, das sind jeden Tag schöne Erlebnisse und Erinnerungen. Mein eigenes Unternehmen gegründet zu haben, ist faszinierend und jeden Tag spannend. Mit meinen Mitgründerinnen an uns zu wachsen, war und ist immer wieder toll – auch wenn es unglaublich anstrengend sein kann.

Wo oder welche Strecke würdest du gern einmal fahren? Warum reizt dich das?

Am liebsten durch Mittelamerika. Weil ich die Länder so liebe, die Natur, die Menschen, das Essen. Das habe ich schon in klapprigen Bussen gemacht. Es mal anders erleben, wäre toll. Von Mexiko bis Panama.

Fahrsicherheits-Training
Hannah mit ihrer Yamaha R3 beim Fahrsicherheitstraining.

Welche drei Tipps würdest du dir selbst immer wieder geben?

  • Sicherheitstrainings machen
  • An die Grenzen nur auf der Rennstrecke gehen
  • Genießen!

Warum sollte Frau Motorradfahren?

Warum nicht?! ?? Wenn es zur Person passt, sollte es jede und jeder machen. Ich habe auch bewusst nach motorradfahrenden Frauen gesucht, bin unter anderem auf die Petrolettes gestoßen. Das macht viel Spaß und ist mal etwas anderes. Frauen nur unter sich sind ein Diamant, den man erleben muss, um es zu verstehen.
Genauso genieße ich die heterogenen Gruppen und fahre mit Männern, mit gemischten Gruppen. Alles für sich schön, solange die Gruppe harmonisch zusammenfährt.
Es macht mir jedoch am meisten Spaß, mit einer Gruppe von Frauen nach einer tollen Tour in den See zu springen, ein Bierchen zu trinken, …

Ist da noch etwas, das du unseren Leserinnen mitteilen möchtest?

Vielleicht möchtet ihr mal in meinen Youtube-Kanal „Auf2Rädern“ schauen.
Braucht es noch einen? Vielleicht nicht … als ich nach Informationen zu Motorrädern und dem Alltag als Frau mit einem Motorrad gesucht habe, habe ich viele tolle inspirierende Frauen gefunden, aber oft haben sie große Weltreisen gemacht. Toll, es anzusehen und hoffentlich mal gleich zu machen. So ein bisschen mehr Alltag fehlte mir da. Der Kanal hat eher Unterhaltungswert als Informationen zu technischen Daten.

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