Silke – Motorradfahren bringt mein Herz zum Lachen

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Silke fuhr mit Motorrad und Mann durch Eis und Schnee zum Nordkapp.

Hallo, wie heißt Du bitte? Silke
Und wie alt bist Du? 42
Was ist Dein Job? Motorradreisende in Vollzeit und freie Autorin
Seit wann fährst Du Motorrad? 1999

Wie und warum bist Du zum Motorradfahren gekommen?

Ich wollte einen Freund von der MX Strecke abholen. Als ich ankam, fragte er, ob ich auch mal fahren wolle. Es war eine 15 Jahre alte KLR600 mit Kickstarter. Ich hatte ja keine Ahnung, dass das kein Crosser ist und für mich unter 1,70m und als Anfänger eigentlich zu groß. Aber weil mir das keiner gesagt hat, bin ich aufgestiegen und losgefahren. Im Tiefsand bin ich meistens gestürzt, aber da hat sich der Freund einfach hingestellt, um die KLR wieder anzukicken, damit ich weiterfahren konnte.
An dem Abend war klar: ich will das auch, ich brauche ein Motorrad und einen Führerschein! Fünf Wochen später war das Thema erledigt, ich fuhr mit meinem ersten eigenen Motorrad an den Atlantik.

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Silke mit der Suzuki im Schnee am Nordkapp.

Welches Motorrad fährst Du? Warum hast Du diese Maschine gewählt?

Auf unserer aktuellen Motorrad Weltreise fahre ich eine Suzuki DR350S von 1993 mit Kickstarter. Warum? Weil sie einfach da war, als wir beschlossen, in Deutschland alles abzubrechen und open end auf Reise zu gehen. Eine Neuanschaffung ist unnötig und schmälert das Reisebudget.

Auf Rallyes fahre ich eine Yamaha WR250F von 2011. Weil ich auch nach 300km offroad und auch am 4., 5. oder 6. Tag hintereinander noch die Kraft haben möchte, das Motorrad voll unter Kontrolle zu haben. Und weil die WR-F ein tolles, zuverlässiges Wettbewerbsmotorrad ist, was zu mir passt.

„Für schön“ fahre ich eine Yamaha XT600Z Ténéré 34L von 1984 im Originalzustand, weil sie das schönste Motorrad ist, das jemals gebaut wurde. Weil sie Fernweh weckt, die Rallyelegende schlechthin ist und einen „Spirit“ der Motorradreisenden der 1980er Jahre verkörpert, den es heute nur noch ganz selten gibt.

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Silkes Motorrad-Weltreise geht auch durchs Gebirge. Die Suzuki macht das schon.

Was bedeutet Dir Motorradfahren heute?

Motorradfahren bringt mein Herz zum Lachen. Ich fahre gerne dort weiter, wo Autos anhalten und umkehren und freue mich dann daran, die Strecke zu meistern und Dinge zu entdecken, die anderen verborgen bleiben. Mit dem Motorrad kommt man unterwegs in Regionen, die man mit dem ÖPNV nicht erreichen kann und hat dabei auch noch riesigen Fahrspaß! Für mich das ideale Fortbewegungsmittel, mit dem man Spaß und uneingeschränkte Entdeckerlust gleichzeitig abdeckt.

Was bewunderst Du an anderen?

Das kann man nicht pauschalisieren und ist situationsabhängig. Manchmal verlässt mich zum Beispiel die positive Sicht auf Dinge des Alltags in Deutschland und dann bewundere ich Menschen, die damit tagtäglich klarkommen, ohne alles zu hinterfragen.

Was war Deine größte Herausforderung bisher?
Wie hast Du sie gemeistert und wie hat das Dein weiteres (Biker)Leben beeinflusst?

Als ich 2007 ganz alleine an meiner ersten Wüstenrallye teilgenommen habe, war ich mir nicht ganz so sicher, ob ich das schaffen würde. Auch, weil mein „soziales Umfeld“ das für nicht machbar hielt. Doch ich habe es geschafft. Auch vor meiner ersten Rallye Breslau habe ich mir Zweifel einreden lassen und bin trotzdem ins Ziel gekommen.
Seitdem und viele Rallyes später sollte ich gelernt haben, dass ich besser an mein Fahrkönnen als das „Geschwätz anderer Leut‘“ glauben sollte, aber so ganz gelingt das immer noch nicht …

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Silkes Mittel gegen Angst. Motorrad-Ralleyfahren und mit der Yamaha zum Pokal.

Gab es schon Mal eine brenzlige Situation? Was war es und wie hast Du reagiert?

Ich bin an Silvester 2003/04 durch einen Fahrfehler in der tunesischen Wüste schwer gestürzt und habe dabei meine Milz verloren. Das war kurz vor knapp… Wie ich reagiert habe? Ich saß drei Wochen später wieder auf dem Motorrad. Mir ist dabei vor Angst so übel geworden, dass ich fast in den Helm gekotzt habe. Aber ich habe die Angst überwunden und als Konsequenz das Rallyefahren angefangen, weil man da „unter medizinischer Aufsicht“ so schnell offroad fährt, wie man kann. Oder mag.

Was war Dein schönstes Erlebnis?

Da gab es drei schöne Erlebnisse …
Das Erste, nachts um drei Uhr im Rahmen der Rallye Breslau mit meinem damals zukünftigen Mann in Polen über eine Sandebene in den untergehenden, gelb leuchtenden großen Vollmond hinein zu fahren, jeder seine eigene Staubfahne hinter sich her ziehend …

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Motorradfahren. Da ist Silke konsequent. Auch zum Standesamt gehts mit der Ténéré … wer braucht da schon eine Kutsche?

Nummer zwei: mit zwei Motorrädern im Brautkleid zum Standesamt zu fahren. Beide Motorräder mit Blumengirlanden geschmückt. Meine weißrote Ténéré zum weißen Brautkleid, mein Mann auf seiner schwarzen Super Ténéré im schwarzen Anzug …

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Hochzeitsreise Silke-Style. Mit zwei Motorrädern im Winter zum Nordkapp.

Das dritte „schönste Erlebnis“ war eigentlich das „verrückteste Erlebnis“, als ich mit meinem Mann auf Hochzeitsreise mit zwei Motorrädern im Winter ans Nordkap gefahren bin. Bei -37°C im Schneesturm auf Eis hintereinander über eine Hochebene zu fahren, war surreal und unbeschreiblich schön.

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Silke mit der Suzuki in der Wüste unterwegs. Hier bei vertrauensbildenden Maßnahmen mit Einheimischen.

Wo oder welche Strecke würdest Du gern einmal fahren? Warum reizt Dich das?

Oh! Die Welt ist so groß und es gibt so viele tolle Strecken! Nächstes Jahr fahren wir den Pamir Highway, den ich wegen der Landschaft fahren möchte, genauso wie dieses Jahr die Strecken in Tibet nach Lhasa oder zum Mt. Everest. Ich möchte die Transamazonica fahren, generell die Westküste Afrikas er-fahren und, und, und, und, und!
Warum mich das reizt? Fahrspaß, geknüpft mit einzigartigen Landschaften, Begegnungen, Erfahrungen und Erlebnissen.

Was würdest Du Dir selbst raten, wenn Du jetzt mit dem Motorradfahren beginnen würdest? Drei Tipps aus Deiner persönlichen Erfahrung?

Mein erstes eigenes Motorrad war eine Suzuki DR800. Ich bin klein, zierlich und wiege nur etwas mehr als 1/5 dieses hochbeinigen Motorrades, bei dem ich mit den Füßen nicht auf den Boden komme. Ein denkbar schlechter Anfang, könnte man denken. Doch ich wusste das nicht und daher hatte ich Spaß. Meine Erfahrung ist daher:

  • lasse dir von niemandem sagen, ein Motorrad sei zu hoch. Niemand muss mit den Füßen „runter kommen“. Lerne gleich, ein Motorrad zu beherrschen, statt zu „füßeln“.
  • mach Sicherheits- und Fahrtrainings. Gleich am Anfang, damit sich falsches Fahren nicht auf Dauer einschleift.
  • Mache nur dann den Führerschein, wenn du das auch wirklich selbst willst und nicht deshalb, weil sich das jemand für dich wünscht.
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Silke mit der Suzuki bei Sonnenuntergang im Sand. So genießt Frau nach einem Tag Motorrad-Weltreise den Abend.

Warum sollte Frau Motorradfahren?

Warum nicht? Ich mag es nicht, wenn Dinge auf „für Männer“ oder „für Frauen“ klassifiziert werden. Jeder sollte tun, wonach das Herz verlangt, egal, ob Mann oder Frau.

Begleite Silke und Mann auf Weltreise hier.

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